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Nachtmahr sind zurück mit einem neuen Album – am 29. Juni 2026 erscheint IMPERIVM. Zehn Stücke, die einen Raum schaffen, der viel Ungesagtes ans Licht bringt. IMPERIVM ist ein wichtiges Album: Die Stücke beschäftigen sich mit wiederkehrenden Themen, segeln aber auch neue Ufer an. Auseinandersetzung mit Vergangenheit und Zukunft, das ist das neuste Werk: Brachial, manchmal subtil, immer aber klar in seiner Haltung.
Es ist ein Album, das gemäss Kateryna Gubanova eines der «dreckigsten und aggressivsten Nachtmahr-Alben» (Interview vom 22. Dezember 2025) sei. Die Stücke orientieren sich an verschiedenen Stationen der Bandgeschichte und stellen ein Werk dar, das mehr als alle bisherigen ein Geschenk auch sein soll an die Nachtmahr-Familie.
Zehn Songs insgesamt sind es, die das Fundament dieses Imperiums bilden:
Die Stücke könnten unterschiedlicher nicht sein, von Stücken aus dem Bereich Dark Techno hin zu Neofolk ist die Palette breit. Thomas Rainer bedient sich dabei erneut kinematografischer Quellen wie dem Film Warlock (1989), der die Grundlage des Textes von «Das Böse» bildet, oder auch aus Avetrana, einer italienischen Serie. Andere Stücke sind in gemeinsamer Arbeit mit der Band entstanden («Neue Ufer») – oder auch mit der für ihre relevanten Aufklärungsvideos bekannten Mary EllXn, wie beispielsweise «Unterwerfung».
Mit der eigenen Vergangenheit setzt sich das unter anderem das fünfte Stück auseinander: «Stärker als ihr Hass» thematisiert die Ereignisse in Hannover (und Basel) – und schöpft für sich und für die Nachtmahr-Familie Stärke aus dem, was damals geschah. Dazu später mehr.
Musikalisch bietet das Album eine grosse Vielfalt. «Der Schlaf» fällt stark technoid aus und war ein Experiment: Ein sehr gelungenes, das lässt sich festhalten. Das Stück hat sich bereits etabliert in den Klubs, stellte es denn auch die erste der Single-Auskoppelungen dar. Instrumental erhalten Gitarren einen höheren Stellenwert als in anderen Alben, aber auch die herausragenden Fertigkeiten Kateryna Gubanovas finden erneut Eingang in das Oeuvre. Ein kraftvolles Album ist hier entstanden, das vermutlich einen wichtigen Meilenstein in der Bandhistorie darstellen dürfte.
Setzt sich Nachtmahr mit dem Thema der Macht auseinander, so geschieht dies auf mehreren Ebenen: Der Themenkreis rund um Krieg ist ein wiederkehrender, doch im Album sind ebenso Machtdynamiken im Bereich des BDSM erwähnt und in musikalischen Formen ausgedrückt. Das Stück «Unterwerfung» gibt einen Einblick in eine Dynamik, die eben keineswegs ein Unterjochen darstellt, sondern eine Ermächtigung der Beteiligten: «Ich bin die Hand, die in dich greift/Die dich zerreißt und doch befreit.» Am Ende der Erzählung dieses Stücks wird das Du (wieder) ganz, es erhält Mut und Glut.
Eine weitere Form der Macht beschreibt das Stück «Willenlos». Hier wird eine vollkommen andere Form der von Unterwerfung geschildert, die altbekannte Figur des Tanzdiktators erhält einen erneuten Auftritt und ruft zum Partyabend auf. Man dürfte sich an all jene Nächte im Klub erinnern, die voller Stroboskoplicht, Hitze und gemeinsamer Hingabe an den Bass geprägt waren. Und «wenn [dann unsere] Welt in Flammen steht, wird Dekadenz zur Pflicht.» Leben, als gäbe es kein Morgen, auch das ist eine treibende Idee vieler Stücke. Man darf gespannt sein, ob der Song ein würdiger Nachfolger für das originale Stück «Tanzdiktator» sein wird – ab 29. Juni könnte sich das auf den Setlists der DJs finden.
Wie gewohnt äussert das Album auch Kritik: In diesem Fall trifft es beispielsweise jene Musiker:innen, deren Lyrics so oberflächlich sind, dass sie nur das eine Thema kennen («[…] in denen es nur ums F*cken geht») und die ihre Macht ausnutzen. Auch wenn die Aussage gewagt erscheint, so ist es doch eine starke – gerade in der heutigen Gesellschaft, die immer stärker in Oberflächlichkeiten zu versinken droht. Macht, so Thomas, sei etwas, das einem geschenkt wird und mit Verantwortung einhergehe. Besitze man Macht, so sei man auch abhängig von jeweils anderen und ihrem Vertrauen.
Wo Vertrauen also nicht möglich ist, schwindet die Glaubwürdigkeit der Person in Machtposition. Wer seine Macht lediglich für seine eigenen Zwecke nutzt, der hat sie nicht verdient. Mehr noch, gerade «Infantil» klagt an: Machtmissbrauch, wie er bereits verschiedentlich im Kontext unterschiedlicher musikalischer Szenen medial aufbereitet wurde, ist eine Sache, von der die Nachtmahr-Familie sich klar distanzieren will. Die Forderung des Songs ist klar: Musiker:innen sollen die Reichweite, die ihnen gegeben ist, für die Gemeinschaft einsetzen, nicht zum eigenen Vorteil.

Die Band stand seit jeher für klare Haltungen, auch wenn sie mit Ästhetik und manch einer Formulierung zu provozieren weiss. Die neue Ästhetik, die mit jedem neuen Album kommt, hinterlässt denn auch ein zunächst ungutes Gefühl. Setzt man sich jedoch mit dem Logo auseinander, so sind Ähnlichkeiten offensichtlich: Ungewollt ist die Analogie beispielsweise zum Logo von Metallica. Während die «Diskussionen um die als totalitär wahrgenommene ästhetische Ausrichtung» (Wikipedia) wohl mit Namensgebung und Albumgestaltung erneut aufflammen dürfte, erklärt Thomas: «Das Logo zeigt viermal den Buchstaben N im Kreis angeordnet: Es steht für uns vier Bandmitglieder und für die Nachtmahr-Familie.» Stärker als in anderen Alben noch will dieses Werk den Zusammenhalt der Gruppe ebenso wie der ihrer Fans aufzeigen.
Ausserdem zeigen Stücke wie «Stärker als ihr Hass» und «Infantil» klar auf, dass Nachtmahr auf etwas anderes zielen dürften als auf die Verbreitung fragwürdiger Ideologien. Dass Kernthemen der Band Kontroversen hervorrufen, ist ebenso klar: «Wir werden keine Lämmchen.» Ästhetik und Inhalte sollen denn auch zu denken geben, so der Bandleader. Aber die Vorwürfe, die seit vielen Jahren immer wieder aufflammen, sind ohne Realität. Man muss dazu nur die Verse älterer Stücke wie «Sirenen», «Antithese» oder neuer Songs wie eben «Stärker als ihr Hass» aufmerksam hören.
Letzteres erläutert die Geschehnisse vom 23. November 2024: Bei einem Konzert im Musikzentrum Hannover kam es zu einer folgenschweren Störaktion, bei der nur durch Glück niemand verletzt wurde. Während der Veranstalter sich im Nachhinein von der Band distanziert und öffentlich bedauert, der Band eine Bühne gegeben zu haben, steht die Nachtmahr-Gemeinschaft hinter Thomas Rainer und seinen Bandgefährt:innen. Wer die auf das Facebook-Statement folgende Diskussion aufmerksam liest, stellt mehrere Dinge fest: Unter den Fans herrscht eine grosse Solidarität, mit der Band, aber auch mit jenen Menschen, die vor der Bühne standen. Zweitens ist der Umgangston grösstenteils einer, den man sich bei einer Diskussion wünschen würde. Und drittens werden konkrete Zitate aus dem Oeuvre der Band genannt, um die Haltungen von Nachtmahr aufzuzeigen.
Ein Wunsch wird in vielen Kommentaren deutlich: Der Schock über die Ereignisse ist gross – und die Menschen wünschen sich eine Aufarbeitung der Ereignisse. Diese erfolgt nun in klarer Weise mit dem Stück «Stärker als ihr Hass». Besonders deutlich wird ein Kerngedanke von Nachtmahr in Kombination mit dem Musikvideo: Nachtmahr bildet als Band und gemeinsam mit den Fans eine grosse Familie, in der man zusammenhält.
Während der Bandleader Musikschaffen und seine Familie strikt trennt – wenig ist öffentlich bekannt – gibt es eine andere Familie, die im Fokus des musikalischen Wirkens steht: Fans und Mitwirkende: «IMPERIVM ist ein Album, das mehr als alle anderen ein Geschenk ist an jene, die uns unterstützen.» Die Auseinandersetzung mit den schwierigen Zeiten nach den Vorfällen in Hannover und Basel soll vermutlich auch eine sein, die bestehenden wie neuen Fans die Einordnung der Ereignisse erleichtert.
Das Album wird am 29. Juni 2026 erscheinen, bis zum 1. Juni besteht die Möglichkeit, sich eine Ausgabe der limitierten Ausgabe zu sichern. Ab Herbst wird die Band erneut auf Tour gehen und aufzeigen, dass Nachtmahr gemeinsam mit ihren Fans eine grosse Familie bilden, eine Festung, die auch Geborgenheit bieten will.
Das Video zu „Stärker als ihr Hass“ auf Youtube.
Geschrieben von: the.goth.teacher
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