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CD NEWS

„Am Ende aller Tage“ wird „III: In Stein gemeißelt“

today28. September 2023 56

Hintergrund
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Nun geht es nicht einfach nur in die heiße Phase – nein, es glüht geradezu.
Heute releasen VERSUS noch eine letzte Vorab- Single, bevor nächste Woche Freitag endlich das Album erscheint.
Somit sprechen wir heute parallel über „Am Ende aller Tage“ und ‚III: In Stein gemeißelt‚.
Also, keine Zeit und Worte verschwendet, die werden hier noch alle gebraucht…

Am Ende aller Tage

 

Cover der VERSUS Single 'Am Ende aller Tage'

 

Was passiert „Am Ende aller Tage“?
Das ist eine große und kaum zu beantwortende Frage. Dennoch provoziert die gleichnamige Single erst einmal die Erwartungshaltung bezüglich einer gewinnbringenden Antwort.
Wenn ihr euch allerdings mit dem Projekt VERSUS und den bisherigen Veröffentlichungen beschäftigt habt, ahnt ihr bereits, dass ihr euch damit auf einem ziemlich morschen Holzweg befindet.

Es geht gar nicht darum, was „Am Ende aller Tage“ passieren wird, sondern um individuelle Gedanken um die Erwartungen, das Leben an sich und was man daraus macht.
Wir begleiten Texter und Sänger ANDRÉ STEINIGEN durch eine Art Selbstreflexionstherapie. Ja, der Song ist sehr persönlich, letztlich aber doch eine Vorlage mit offenen Enden, die den Hörenden für eigene Gedanken zur Verfügung stehen.
Es macht Spaß, ihn bei seinen Gedankengängen zu begleiten, dabei in den inneren Spiegel zu schauen und zu sagen „Okay, nun zu dir…

Dabei ist „Am Ende aller Tage“ überhaupt nicht schwer und träge, sondern locker beschwingt und verbreitet gar ungruftige Hochgefühle.
Aufmerksame und treue Leser der RSW- Gefolgschaft wissen, dass der Autor dieser Zeilen aktiver Teilnehmer dieser neumodischen Bewegung namens Depressionen ist. Und dennoch lässt sich sagen, dass auch besagter Autor mit Freuden in dieses Gedankenkarussell eingestiegen ist, um tief in seinen eigenen Gedanken, Einstellungen und Erwartungen zu wühlen, sie zu überdenken und neu zu ordnen. Eine wunderbar leichte Form der Selbsttherapie, ganz ohne Stuhlkreis und mahnender Worte streng schauender Therapeuten.
Wer bin ich, was will ich und wie komme ich dahin, ohne daran zu verzweifeln und zu scheitern?
All das sagt dieses feine Liedchen nicht, jedenfalls nicht zu uns. Aber es nimmt uns mit, um selbst auf die Suche nach Antworten zu gehen.
Vielen Dank dafür, das kann man an dieser Stelle schon mal sagen.

 

https://youtu.be/VnZLtLo_pc4
(ab Sonntag 18 Uhr ist hier das Video zu sehen)

 

In Stein gemeißelt

Allgemein hat die Band um ANDRÉ STEINIGEN in Zusammenarbeit mit Produzent KRISCHAN JAN-ERIC WESENBERG den Sound des als AhoiPop titulierten Stils weiter perfektioniert. Im Vergleich zum letzten Album ‚Freakwaves‚ ist die Musik noch einmal tanzbarer, detaillierter und fluffiger geworden.
Ja ja, die ersten werden da sicher Kommerz und Mainstream rufen, aber wartet noch ein bisschen mit der Empörung…

VERSUS haben ihre Wurzeln in der Szene, fühlten sich aber nie an die engen Grenzen Selbiger gebunden. Und es gibt auch zu viele Einflüsse von Außerhalb, um sie in ein Korsett zu pressen, welches dem Label Gothic entspricht.
Zudem ist die Band mindestens genauso gesellschaftskritisch und politisch wie NOVA-SPES, nur mit anderen Stilmitteln. Versuchen sich NOVA-SPES in Internationalität mit ihren meist englischsprachigen Texten und szenetauglichem wütenden Industrial- SynthPop, arbeitet das Trio aus Monestirea mit sehr aufwändigen Wortspielen in deutscher Sprache, um ihre Botschaften an die Empfänger zu bringen. Und themenbedingt dürfen diese dann gern auch außerhalb der schwarzen Community sitzen. Gerade in Zeiten wie dieser wünscht sich der Schreiber dieser Zeilen, dass die Band den Ausbruch aus der Szene in die Weiten der Mainstream- Musiklandschaft schafft.
Ja, schon klar, wir sind politisch neutral. Allerdings dürfen auch wir eine Meinung haben und müssen nicht alles schweigend hinnehmen.
Und wenn es Künstler schaffen, die Geschwüre der realen Welt so gezielt freizulegen und mit dem Skalpell zu kitzeln, ohne dabei wie Oberlehrer trockene Forderungen mit dem erhobenen Zeigefinger vorzutragen, dann darf man das schon unterstützen. Denn die Szene war ja nie wirklich neutral, denn entstanden ist sie aus der 77er- Punk- Explosion und überwiegend nachdenklich und humanistisch gefärbt. Ja, andere Strömungen wurden immer akzeptiert und so ein bisschen konservativ ist die Szene ja eh.

 

Cover des kommenden Album 'III: In Stein gemeißelt' von Versus. Darauf werden sowohl "Ich bin", als auch "Scheisstränen" enthalten sein

 

Und dann wird es geschehen

Ihr seht, wir reden hier ganz und gar nicht über oberflächlichen Massenpop, sondern über SynthPop mit Tiefgang. Wichtig dabei ist lediglich, dass ihr euch darauf einlasst und dem Text die Aufmerksamkeit gebt, die ihm gebührt.

In genau einer Woche, also am sechsten Oktober, erscheint dann das Album mit dem Titel ‚III: In Stein gemeißelt‚.
Wichtig vorweg: für Fans und Sammler gibt es eine kleine Erstauflage von 333 CDs, die in einem besonderen Paket inklusive Spiel kommt.
Es lohnt sich also, jetzt noch schnell eine Vorbestellung zu tätigen und sich seine Wunschnummer (so noch verfügbar) zu sichern.

Greifen wir uns erst einmal die erste Hälfte der 12 Songs, denn auch wir Schreiberlinge sind in enge Corsagen gequetscht, die vorgeben, wann ihr eine Pause braucht.

Hinspiel

Eröffnet wird das Werk mit dem titelgebenden Track „In Stein gemeißelt“. Und schon wird es richtig hippig, der Text ist recht kryptisch und lässt einem direkt mal ein paar Brocken zum Nachdenken im Gehörgang. Allerdings sind gerade hier die Vocals etwas schwerer verdaulich, was für einen Opener recht mutig ist.

Es geht direkt weiter mit der dritten Single „Revolution“. Diese haben wir euch hier bereits intensiv vorgestellt. Und noch immer ist das eine der besten deutschen politischen Alternative Pop- Nummern der letzten Jahre. Eine kuschelige Bombe im Arsch der Verirrten.

 

 

Der dritte Song handelt „Von Sonne, Regen & Rausch“. Das verheißt zumindest der Name des Tracks.

… Es waren meine Tränen, es war mein Gefühl, es waren meine Worte, es war deine Melodie…

Gefühle, Beziehungen, Zwischenmenschliches – alles in einem Schwall wilder Wortakrobatik verpackt. Spannend und im positiven Sinne anstrengend. Ein Meisterwerk deutscher Lyrik, ein Lied, welches zum Zuhören zwingt.

„Unverletzbar“ ist der König dieses Albums, der absolut stärkste Song auf ‚III: In Stein gemeißelt‚. Es ist der wohl persönlichste Song von ANDRÉ, der hiermit seinen herbsten persönlichen Verlust verarbeitet. Wer dabei keine Gänsehaut und feuchte Augen bekommt, hat vermutlich auch sonst keine Gefühle mehr. Wir legen euch diesen Song sehr ans Herz, denn dort gehört er hin. Wir möchten den Text hier gar nicht weiter sezieren, denn er erschließt sich ganz von selbst und wird von wirklich jedem verstanden und sicher auch mitgefühlt.

Jetzt kommen wir zu dem Song, den ihr vermutlich bereits bestens kennt. Mit „Ich bin“ wurde nämlich der der Pre- Single- Reigen eröffnet. Und natürlich sprachen wir darüber, wie ihr hier nachlesen könnt. Noch immer eine verdammt starke Nummer!

Mit „Kosmonaut“ bekommen wir eine spritzige Uptempo- Nummer, die im besten Sinne radiotauglich ist. Es ist wieder ein Liebeslied, aber eben ein sehr spezielles. Ein echter Oktober- Sommerhit.

Rückspiel

Alles, was man zu „Am Ende aller Tage“ wissen muss, konntet ihr bereits am Anfang dieses langen Geschreibsels lesen. Wenn man ihn nach „Unverletzbar“ hört, wirkt er noch einmal ganz anders, als in Form der losgelösten Single.

Gesellschaftskritisch wird es bei „Ja/Nein“. Ein hartes und böses SynthPop- Monster mit klarer Ansage! Den Stil muss man mögen, aber die Energie und der Inhalt reißen definitiv mit. Der Song ist (wirkungs)stark!

„Scheisstränen“ haben wir euch hier bereits im Detail vorgestellt. Ein cleveres kleines Liebeslied, welches sich auf viele andere Dinge uminterpretieren lässt. AhoiPop in bester Manier, tolle Nummer.

 

 

Nun aber wird es richtig fies: „Neue Deutsche Welle“ klingt wie ein NDW- Hit von MARKUS, allerdings auf ordentlich Pep. Das ist mindestens genauso schwer erträglich wie die enthaltene Zitatsammlung und die Art des Gesanges. Dieses Lied ist dabei mindestens so clever, wie es böse ist. Denn natürlich geht es inhaltlich gar nicht um eine Hommage an die musikalischen Wirren der ganz frühen 80s. Nein, hier wird uns Gesellschaftskritik in Form eines in einem Strauß bunter Frühlingsblumen verpackten Baseballschlägers um die Ohren gehauen. Eben ein ganz fieser Song und dadurch wiederum sehr stark. Wie der Unfall, bei dem man nicht wegsehen kann…

„Wenn Gedanken fliegen lernen“ ist wieder etwas zum mitdenken und mitfühlen. Feiner Song, verpackt in einem Uptempo- Discostomper der besten Sorte.

Den Rausschmeißer gibt wieder ein Titel, der Zwischenmenschliches verarbeitet: „Hey, kein Problem“.
Wenn die Schmetterlinge im Bauch langsam sterben, auf Hochgefühl der routinierte Alltag folgt…
Eine wunderbar gefühlvoller Song, der uns wieder richtig erdet. Dadurch wird er hier in der Redaktion zwiespältig aufgenommen. Nach all dem Soundgewitter und Wortspielen im Stile eines FARIN URLAUB, CASPER oder KUMMER ist das zwar angenehm beruhigend, aber auch irgendwie ein komisches Ende. Passenderweise verbleibt nach dem letzten verklungenen Ton das Gefühl einer herben Trennung.

Finale

Wir könnten es hier kurz zusammenfassen und es als die beste Sommerhit- Sammlung dieses Herbstes bezeichnen.
Dieses Album vereint jede Menge Dinge, die überhaupt und definitiv mal gar nicht zusammengehören: dunkler Tiefgang, Politik, Gefühl, Mainstream, Avantgarde, Indie, Hip Hop/ Deutschrap.
Mal sehr direkt wie in „Unverletzbar“ und „Ja/Nein“, mal in künstlerischen Verpackungen wie bei „Neue Deutsche Welle“. Das Album ist aus künstlerischer Sicht ein feuchter Traum, eine echte Granate. Und wir wünschen der Band, das sie mit ‚III: In Stein gemeißelt‚ nicht an den Klippen (ungeschriebener) Mediengesetze zerschellt. Denn es ist definitiv zu groß, um in einer Szene gefangen zu bleiben, die damit vermutlich nur bedingt etwas anfangen kann. Und es ist viel zu provokant und direkt, um wirklich die Charts aufzurollen.
Wir wünschen der Band aber tatsächlich genau letzteres. Dieses Werk muss raus in die Welt! Das Warten hat sich in diesem Fall definitiv gelohnt.
Überzeugt euch ab nächsten Freitag selbst davon und/oder schaut am darauffolgenden Samstag beim BLACK SWARM in Dresden vorbei, wo VERSUS ‚III: In Stein gemeißelt‚ direkt live vorstellen werden.

Wir haben Fakten, stellen Meinung hintenan

Act                        VERSUS
Release                Am Ende aller Tage (Single)
Release Date      29.09.2023
Label                    TRISOL
Media                  Stream
Quellen                hier geht es direkt zu den verfügbaren Anbietern

Release                III: In Stein gemeißelt
Release Date      06.10.2023
Label                   Self Release
Media                  limited edition CD (333 Stück nummerierte Erstauflage inkl. Spiel etc.), CD, Stream
Quellen               hier bekommt ihr die CD, auf den gängigen Streaming Plattformen (im Vertrieb von TRISOL)

Ganz nah dran am Geschehen rund um VERSUS bleibt ihr auf deren Website und natürlich auf Facebook.

Unseren Stream und viele weitere redaktionelle Inhalte bekommt ihr auf unserer Website, aktuelle Artikel und mehr auf unserer Facebook Präsenz.

In eigener Sache

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Geschrieben von: Dany Wedel

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