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Hinter den Pulten – Teil 2

today22. April 2026 80 6 5

Hintergrund
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Im zweiten Teil dieser Reportage berichten wir von Menschen mit Haltung, von DJs mit dem gewissen Funfaktor und von weiteren Erlebnissen und Wünschen dieser Menschen. 

Doug Kaputtnick

Credits: Falk Rentsch Photography

Es war nie geplant, dass ich DJ werde. Bei einer Geburtstagsfeier in einem Studentenklub wurde ich gefragt, ob ich allenfalls auflegen wolle. Es gab auch kein wirkliches Equipment, aber es hatte ihm so viel Spass gemacht, dass er dabeiblieb.

Doug sagt, er sei schon immer Industrial-DJ gewesen, auch wenn er andere Genres selbst gerne mag. Er entschied sich aber bewusst, sein Können im Industrial zu vertiefen und zu perfektionieren. Ist man zu Gast bei einem Auftritt von Doug, so wird rasch klar, dass hier jemand am Werk ist, der hohe Ansprüche hat. Gerade diese Haltung führt dazu, dass er selbst seine Leistungen immer kritisch sieht: «Das ist manchmal auch wirklich anstrengend.»

Auf den Verlauf eines Abends angesprochen, meint Doug, dass er den Level der Musik oben halten wolle, wenn die Leute Lust darauf verspürten. Auch wenn sich Doug als Dienstleister versteht, bei Wünschen hält er fest: «Ich bin keine Jukebox, in die man Geld wirft. Wenn man einen Wunsch hat, so sollen die Leute mir das direkt sagen.» Ausserdem lässt er Wünsche nur dann zu, wenn sie musikalisch passen – und zu seiner Haltung: «Ich spiele keine Künstler, die ich ethisch-moralisch nicht vertreten kann.»

Ein besonderes Erlebnis war sein Auftritt im Slimelight – und dass Mak diesen verfolgt hatte. «Im Anschluss erhielt ich quasi den Ritterschlag, denn er sagte mir, dass ich jederzeit hier spielen dürfe.» Auf Dougs Wunschliste stehen nun noch die USA und der asiatische Markt.

Credits: Falk Rentsch Photography

Kontakt und nächste Termine

Instagram: Doug Kaputtnick

Nächste Termine: WGT-Pre Party 21.05.2026 im Darkflower 

Rapha Hell

Der Frontmann von Extize und Basszilla sowie Leiter des Labels darkTunes ist an vielen Events auch als DJ tätig, beispielsweise am Wave-Gotik-Treffen oder am E-tropolis. Seine Energie ist spürbar, seine Freude auch.

An einem Festival aufzulegen, macht mehr Spass, da man dort mehr Freiheiten hat. Ein Grund, weshalb Rapha Hell sich aus dem alltäglichen Geschäft in Klubs zurückgezogen hatte, war der Verlust der Freude. Während zwanzig Jahren war Rapha Hell ein bis zwei Mal im Monat als Resident tätig: Allerdings ist der Variantenreichtum eher gering,

Rapha Hell tritt beinahe immer an der Castle Party in Bolkow auf. In Polen kommen die Menschen wegen des DJs, nicht wegen der Musik. Einer der Hauptunterschiede ist, dass in anderen Ländern die DJs stärker im Zentrum stehen, und damit auch ihr Auftritt.

Mit 18 Jahren begann Rapha Hell seine DJ-Karriere. Im Rahmen seines Studiums musste er eine Veranstaltung konzipieren und durchführen, die Metal und Hip-Hop verband. Autodidaktisch brachte er sich das Mixen bei – «mein erster Versuch war ziemlich unglücklich, aber als Anfänger sollte man auch nicht Metal oder Rock angehen», lacht er. Mittlerweile aber ist Rapha Hell ein erfahrener und versierter DJ, der sein Publikum mit viel Enthusiasmus mitreisst. Das DJing war für Rapha Hell auch wichtig, da er so auch als Produzent viel lernen konnte und dadurch seine Bands noch besser unterstützen kann.

«Mein Ziel ist es, dass ich an einem DJ-Gig, aber auch bei meinen Auftritten mit meinen Band die Menschen lächeln sehe.» In dem Moment entscheide ich, welchen Flow ich wählen will – meine Energie kann sich auf die Anwesenden transferieren. «Das schönste Feedback, das ich bekommen kann, ist es, wenn die Leute mir sagen, dass es Spass gemacht hat.»

Rapha Hell hat ein klares Programm, wenn er auflegt. Während der ersten Songs beobachtet er sein Publikum sehr genau, um abzuschätzen, welche Stücke er bringen möchte: Er sagt auch, der Abend müsse orchestriert werden – heute ist ihm Harmonie wichtig und ein Wechsel von bpm und Stimmung. Von hoher Relevanz sind für ihn die technischen Fertigkeiten und dass er als DJ selbst auch die Musik mitfühlt. «Musik ist, Emotionen gemeinsam zu geniessen.» Besondere Momente sind für Rapha Hell jene, in denen er merkt, wie dankbar die Menschen ihm sind für seine Sets.

Kontakt und nächste Termine

Kontakt: InstagramdarkTunes

Nächste Termine: WGT / Moritzbastei, Amphi Festival (Extize)

Calle Wieners

Der Resident-DJ in jenem Klub, der vielen Menschen aus der Szene ein Begriff sein dürfte, nämlich dem Kulttempel Oberhausen, ist seit 1991 tätig. Er ist zudem auch in Witten tätig, in der Werk-Stadt. Seine Genres sind breit gefächert und umfassen von Coldwave über Pop&Wave hin zu Industrial und Dark Techno alles.

Seine DJ-Karriere begann damit, dass er sich aus Liebeskummer eine Beschäftigung suchte und durch seine Affinität zu Musik zum DJing kam. Aufgrund seiner langjährigen Tätigkeit gibt es viele Ereignisse, die ihn geprägt hatten, aber einen besonderen Moment stellte die Aftershowparty im Kulttempel nach einem Konzert mit Front 242, Nitzer Ebb und Liebknecht, welches in der Turbinenhalle stattgefunden hatte.

Freude bereitet es dem DJ, wenn die Menschen Spass an seiner Musik haben, aber auch, wenn sie ihn um neue Songs bitten. Zwar legt er nur Dinge auf, die auch wirklich zum Thema der Party passen, aber er möchte, dass sein Publikum auch neue Stücke kennenlernen darf.

Informationen

Bandcamp: Calle Wieners

Dr. Umbra

Der Resident des Shadows Leverkusen ist seit 2022 im professionellen Bereich tätigt. Sein Anspruch ist es, sein Wissen auch jüngeren DJs weiterzugeben. Er versteht sich als Dienstleister, weshalb er nicht nur im Stammklub auflegt, sondern auch privat und auf Firmenveranstaltungen, Hochzeiten sowie eigenen Events.

Durch seine Haltung lässt er auch Wünsche zu, sieht sie als Teil der Abendgestaltung, gerade auch, weil sie neue Ideen einbringen. Seine Biografie als DJ führt dazu, dass er Genres wie Techno auch im Hip-Hop-Stil auflegt und dabei mit Scratches und Mashups arbeitet. Über seinen Werdegang äussert er sich folgendermassen: «Ich habe mir das DJing selbst beigebracht und durch Motivation meinen eigenen Weg gefunden.»

Ein besonderes Ereignis stellte für ihn das erste eigene Festival dar, das Glacialis Umbra Festival 2025 und 2026, welches im Shadow Leverkusen und im Club Trafic stattfand.

Kontakt

Kalversberg Eventmanagement

Schwarzspektrum

Die Musik als reinste Form, die Seele zu erreichen: Das ist der Grund, weshalb Schwarzspektrum das DJing aufnahm. Für ihn ist Musik jenes Werkzeug, mit dem man das Innerste der Menschen erreichen kann. «Die Anmut eines Menschen sieht man dann, wenn er glücklich ist. Mit der richtigen Auswahl an Stücken kann ich einen Menschen seine eigene Schönheit erkennen lassen.»

Dies ist auch einer der Gründe, weshalb Schwarzspektrum keine Wünsche zulässt, ein anderer ist der, dass er es als seine eigene Aufgabe versteht, durch den Abend zu führen. Der DJ war bereits in den 80er Jahren unterwegs an den ersten Partys, die in alten Industriegebäuden und düsteren Kellern stattfanden. Gothic hiess damals vor allem eines, Post-Punk. Mit den Jahren schlossen sich weitere Genres und auch eine diversere Gemeinschaft zusammen. «Das sieht man besonders gut am Wave-Gotik-Treffen. Dort sieht man aber eben auch manchmal jene, die Gothic als Verkleidung sehen.»

Wer Schwarzspektrum bei der Arbeit als DJ sieht, wird feststellen, dass er die Menschen auf der Bühne zu halten versteht. Genrewechsel sind bei ihm sanft, er spielt, um sein Publikum glücklich zu machen. Dabei fällt insbesondere sein Ansinnen auf, einen Abend zu schaffen, der zu jedem Moment tanzbar bleibt.

Eines ist sicher, wenn man einen Abend mit Schwarzspektrum besucht: Hier ist jemand am Werk, der für die Musik lebt und in ihr viel mehr zu erwecken vermag als blosse Klänge. Hier wird die Musik zur Erzählung – und die Tanzer:innen mit ihr.

Kontakt

Instagram: Schwarzspektrum

Anouk Amok

Am Gurtenfestival / Credits: Stephen Nthusi

Die Schweizer DJ Anouk Amok ist eine Resident der «Night of the Living Dead» in Bern. Sie arbeitet dort seit 2010, daneben legt sie insbesondere im queer-feministischen Bereich auf. Schon immer mochte Anouk Musik, in ihrem Kinderzimmer legte sie die Rolling Stones-Platten ihres Vaters auf und tanzte dazu. Sie erinnert sich auch daran, wie gerne sie in ihrer Jugendzeit und als junge Erwachsene tanzen ging.

In ihrer ersten Studenten-WG wohnte Anouk mit zwei DJs zusammen, weshalb dort sehr viel über Musik gesprochen wurde. Ein Mitbwohner zeigte sich beieindruckt von ihrem Wissen über Musik sei – und zeigte ihr auf ihren Wunsch hin die Grundlagen des Auflegens. Als er einen Einsatz im Wasserwerk nicht wahrnehmen konnte, sprang sie für ihn ein – der Rest ist Geschichte.

Ihr ist wichtig, dass sie das Handwerk von Grund auf versteht, auch die technischen Aspekte sind Teil ihres Werdegangs. Sie erzählt die Geschichte ihrer ersten Lektion als DJ: Den Freund, der sie auch fürs DJing begeistert hatte, bat sie um eine Einführung. «Wir gingen dann zu ihm in den Bandraum und ich war schon gespannt darauf, was ich auflegen dürfe. Tatsächlich aber entfernte er dann zunächst einmal alle Kabel und sie musste als erstes das ganze Mischpult und alle Lautsprecher neu verkabeln. Für dieses Grundverständnis bin ich ihm sehr dankbar.» Im Zentrum steht für Anouk das Verständnis des Publikums, ihr ist es ein Anliegen, einen Safe Space zu schaffen für die Gemeinschaft. Die DJ studierte auch Theaterwissenschaften und wählte dort den Schwerpunkt Tanz. «Das Tanzen hat etwas Rituelles, auf diese Weise wird der Klub auch zu einer Art sakraler Raum für die Tanzenden und die DJs.»

Der sich ändernde Raum biete Chancen, so erläutert Anouk. Über Datingplattformen und Internet generell wird das Kennenlernen vereinfacht, die Klublandschaft werde nun anders genutzt, das Angebot habe sich insgesamt verändert. Auch für sie als DJ hat sich einiges gewandelt: «Zu Beginn gab es doch einige Männer, die mir dann bei meiner Ankunft im Klub das DJ-Pult erklären wollten.» Hier entwickelte sich gemäss Anouk einiges, die jüngeren Leute hätten ein klareres Verständnis von Awareness und dem Miteinander in einem Klub.

Fragt man sie nach Wünschen, so ist Anouk offen – aber «es muss passen, rechte Bands beispielsweise spiele ich nicht», erläutert sie. Insgesamt, so hält sie fest, ist Anouk ihr Publikum wichtig, der Austausch mit den Menschen ist ihr wichtig, solange er respektvoll bleibt. Deswegen sind FLINTA*- und alternative Räume wie Gothic-Partys ihre liebsten Räume.

Kontakt

Instagram Anouk Amok

Geschrieben von: the.goth.teacher

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