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Der Begriff Discjockey – oder kurz DJ – bezeichnet eine Person, die Musik von Tonträgern in eigener Auswahl vor Publikum abspielt. In der DDR sprach man vom «Schallplattenunterhalter», der englische Ausdruck war politisch unerwünscht. Was als genderneutral gilt, bleibt dennoch nicht frei von Diskussion: In der Schweiz taucht bisweilen die Bezeichnung She‑DJ auf, während der Neologismus DJane von vielen weiblich gelesenen Personen abgelehnt wird.
Wer die Szene kennt, weiss um ihren Wandel. Die Klublandschaft hat sich verschoben, besonders seit der Pandemie. In der Schwarzen Szene etwa sind die Orte rar geworden, das Publikum älter. Neue Songs zu spielen, kann zum Risiko werden – mancher verlässt die Tanzfläche, sobald ein Stück unbekannt klingt. So entsteht eine spürbare Stagnation im Repertoire, eine musikalische Zirkulation ohne Aufbruch.
Dass Remixes oft auf Ablehnung stossen, enttäuscht viele DJs. Das Neue könnte Spielfeld und Experiment sein, doch die Gegenwart favorisiert Kontrolle und Sicherheit. Besonders eindrücklich zeigt sich dies am Cyber‑Genre: Wer die Anfänge miterlebt hat, erinnert sich an laute Misstöne, bis hin zu Morddrohungen gegen Künstler:innen. Die Ablehnung ist zwar abgeklungen, doch sie hallt nach – als Reflex, der die Tradition fest umklammert.
Die Liste der Klubs ist lang, von kleinen Szeneklubs bis hin zu grossen und weit über die Gothic Subkultur hinaus bekannte Klubs wie dem Slimelight / Electrowerkz in London oder dem KitKat-Klub in Berlin. Ob gross oder klein, die Klubs kennen charakteristische Partys und haben ihr übliches Publikum, zu dem manchmal neue Gäste kommen, manche regelmässige Besucher:innen jedoch nicht mehr: Einen wesentlichen Grund liefert auch das veränderte Datingverhalten, das den Besucher:innen insbesondere für das Kennenlernen neue Räume bietet. Ein langsamer Wandel vollzieht sich auch hier.
In den letzten Jahren hat sich die Clublandschaft spürbar verändert. Die Mieten steigen, und in Ländern wie Grossbritannien zwingen hohe Lizenzkosten und neue Regulierungen viele Klubs dazu, früher zu schliessen. Die Folge: Wirtschaftliche Überlegungen rücken immer stärker ins Zentrum.
Für aufstrebende DJs bedeutet das enge Türen – wer noch keinen Namen hat, gilt als Risiko und erhält kaum Chancen, sich zu beweisen. Sichtbarkeit entsteht heute weniger durch Auftritte als durch Klicks, Likes und Follower:innen – ein Algorithmus ersetzt das Vertrauen in musikalisches Können. Gleichzeitig steigen die Lebenshaltungskosten, sodass viele DJs ihre Leidenschaft nur noch nebenberuflich ausleben können.
Das Ergebnis ist ein leise schleichender Rückzug: Zahlreiche Klubs verschwinden, viele Künstler:innen geben dem finanziellen Druck nach. Übrig bleiben weniger Menschen und ausgewählte Veranstaltungen. Und selbst die Sets verändern sich – zu lange Auftritte führen oft dazu, dass man sich auf Bewährtes stützt, statt Neues zu wagen. So spriessen Retro- und Revival-Partys, besonders im Ruhrgebiet, als nostalgische Gegenbewegung zu einem Markt, der sich zusehends selbst beschränkt.
Die Landkarte zeigt teilweise grosse Unterschiede, so sind in Ländern wie Polen, Grossbritannien oder auch Tschechien Experimente im Set durchaus möglich, während gerade Frankreich oder Deutschland dem Traditionellen stärker verpflichtet sind. Neue Variationen oder Spielarten des Auflegens sind hier schwieriger zu vermitteln. Das Feiern als oberstes Ziel äussert sich vor allem in Klubs wie dem Slimelight: Dort gilt das Gebot der Extravaganz, Outfits, Make-Up und DJ-Sets laden ein zu einem Abend, der kein Morgen kennt.
In einem Punkt herrscht unter den befragten DJs Einigkeit: Wer einmal die Gelegenheit erhält, in Mexiko aufzulegen, erlebt weit mehr als einen gewöhnlichen Gig – es ist ein magisch-rituelles Ereignis, das sich tief ins Gedächtnis eingräbt. Wie bei grossen Konzerten sparen manche Besucher:innen lange, um diesen Moment erleben zu können – und genau dann entsteht diese seltene Verbindung: Wenn Musik nicht nur gespielt, sondern gemeinsam gefühlt wird, berührt sie Publikum und Künstler:innen gleichermassen.
Tanzt man durch die Nacht, so hofft man ein ganz klein wenig, dass die eigenen Lieblingssongs gespielt werden. In manchen Klubs ist es gang und gäbe, eine Wunschliste zu haben, in anderen kann man die DJs direkt fragen – oft aber werden Wünsche nicht zugelassen. Resident-DJs sind Wünschen gegenüber häufig offener eingestellt, weil sie auch über eine regelmässige Anstellung verfügen. Alle DJs haben dazu für sich selbst eine klare Linie. Es gibt jene DJs, die Wünsche gar nicht zulassen, weil ihre Sets einer bestimmten Dramaturgie folgen.
Am Ende einer Nacht steht der Nachhauseweg an: Gerade von weiblichen DJs, aber auch erfahrenen DJs hört man die Forderung danach, dass die Klubgänger:innen aufeinander aufpassen. Sie fordern mehr Awareness und Sicherheit für DJs ebenso wie Gäste. Eine befragte Person beschrieb eine Situation, in der jemand nach ihrer Schicht beim eigenen Auto auflauerte und Drohungen aussprach. Diese und weitere beschriebene Situationen zeigen eine jener Schattenseiten auf, die das Klubleben begleiten. Das ist einer der Punkte, die nach wie vor nach Veränderung rufen.
Mit dem Ausklingen der Musik kann jeweils ein Fazit gezogen werden. Über Gelingen oder Misslingen einer Party entscheiden alle involvierten Personen – und zwar bis zu ihrer Rückkehr nach Hause. Die Genres ebenso wie die Stimmungen schwingen mit, wenn es um die Begegnungen und den Spass an einer Veranstaltung geht. Massgeblich daran beteiligt aber ist das Personal einer Venue und natürlich auch die DJs.
(Fast) jeder Club kennt Residents und Gast-DJs. Sie alle prägen die Klubkultur und den individuellen Anlass. Wer einen Klub besucht, weiss in der Regel, was zu erwarten ist, sei das bezüglich der Location oder eben auch bezüglich der Genreauswahl. Radio Schwarze Welle traf einige DJs zum Gespräch: Ihre Geschichten werden hier erzählt.
In dem Klub, in dem die drei DJs Stuckeyrella, Charlotte Lion und maniaclina üblicherweise beispielsweise an der Symbiotikka auflegen, herrscht strikter Hedonismus und die Menschen feiern sich und das Leben. Es ist ein Raum, der Freiheiten ermöglicht, der denen ein Zuhause bietet, die vielleicht lange auf der Suche waren. Die Rede ist von demBerliner Klub, dem KitKat. Bunte Wände zeigen zahlreiche Szenerien, die man anderswo so nicht findet, das Haus bietet unzählige Winkel und Tanzflächen. Es ist ein Ort, den man wohl so schnell nicht vergisst: Hier zelebriert das Leben sich selbst und die Menschen können sich frei fühlen von jeglicher Diskriminierung und von Unterschieden: Die bunten Lichter und harten Bässe begleiten einen bis in die frühen Morgenstunden.

Seit 2018 steht Stuckeyrella als DJ hinter den Decks – ihr Stil mäandert zwischen Vocal, Hard und Banging Techno. Die Leidenschaft fürs Auflegen entfachte ein Freund ihrer Schwester: Sie durfte damals zuschauen und spürte dabei zum ersten Mal den Wunsch, selbst am Pult zu stehen.
Während der Pandemie nutzte Stuckeyrella die freigewordene Zeit, um das Produzieren zu lernen. Seither, so merkt sie an, habe sich die Szene spürbar gewandelt: Heute bestimmten Followerzahlen oft die Gage – nicht mehr allein das musikalische Können.
Besonders freut sie sich, wenn die Unterstützung direkt von den Besucher:innen kommt: «Den grössten Druck mache ich mir jeweils selbst. Ich will den Menschen einfach einen guten Abend bieten», sagt sie.
Auf die Frage, was sie als DJ auszeichnet, lacht Stuckeyrella. Sie werde oft unterschätzt – sowohl wegen ihres androgynen Erscheinungsbildes als auch wegen ihrer Herkunft. Doch diese Vorurteile lösen sich spätestens auf, sobald man sie am Pult erlebt: Ihre Energie ist unwiderstehlich, ihre Präsenz kraftvoll. Sie betont, dass gerade die Kinky‑Szene offener sei als viele andere – eine Toleranz, die sie sich auch ausserhalb dieser Szene wünscht.
Während viele DJs heute auf möglichst viele Tracks und Drops setzen, bleibt Stuckeyrella dem klassischen Beatmatching treu. Es entspricht ihrem Gefühl für Rhythmus und Intensität – und verleiht ihrer Performance eine unverfälschte, authentische Energie.
Ganz zu Hause fühlt sie sich in der Kinky‑Szene, auch wenn die Promotion heute schwieriger geworden ist, besonders für Kinky‑Events. Ihre eindrücklichsten Erlebnisse verbindet sie mit ihren Fans: «Dass sie auf mich warten und mir das sagen, macht mich glücklich. Bei einer grossen Party neulich stand ich unerwartet auf dem Main Floor – vor fast viertausend Menschen. So etwas erfüllt mich mit Stolz.»
Gemeinsam mit Charlotte Lion veranstaltet Stuckeyrella am 25. April die FLINTA*‑Party Sei laut. Zwar sind alle Menschen willkommen, doch das Line‑Up besteht ausschliesslich aus FLINTA*‑Artists. Zusätzlich steht ein Album‑Release bevor – ein Werk, das ausschliesslich von FLINTA*‑Personen produziert wurde, auf dem auch Stuckeyrella vertreten ist.

Instagram: Stuckeyrella
Nächste Termine: Sei Laut! am 25.4.26 in Neuss

Trifft man Charlotte, so spürt man unmittelbar die Energie und Wärme dieses Menschen, der oft hinter den Kulissen organisiert oder auch die Gäste am Eingang des KitKat-Klubs begrüsst. Man fühlt sich unmittelbar willkommen und aufgenommen. Die Löwin ist seit ungefähr acht Jahren aktiv tätig, sie arbeitete erst an der Garderobe, später auch an der Tür für die Einweisung bei der Symbiotikka – und zudem nun auch als DJ. Sie schuf das Event der Goddesses, ein Event mit weiblich gelesenen Performer:innen – um mehr Visibilität zu schaffen. Weitere Events sind Sei Laut und die Syrup.
Fürs DJing interessierte sich Charlotte schon lange. Bei DJ A.N.I., einer der ehemaligen DJs der Symbiotikka und mittlerweile weltweit tätigen Künstlerin, schaute sie zu und fand das faszinierend. Zu der Zeit, so sagt sie, hatte sie selbst noch wenig Ahnung vom DJing. maniaclina erzählte ihr dann von den Workshops, die sie durchführte – woraufhin Charlotte sich entschloss teilzunehmen: «Es ist ein so schöner Spirit, wenn sich FLINTA*-Personen zusammenschliessen und gemeinsam etwas schaffen.»

Auch wenn sie bereits zahlreiche Facetten des Klublebens kennengelernt hat, so erzählt sie, dass gerade das DJing ihr besondere Freude bereite. Charlotte beschreibt, wie sich die Nacht anfühlt hinter dem DJ-Pult: Sie habe einen grossen Einfluss auf deren Verlauf, in Bezug auf die Musik ebenso wie auf die Präsenz, über die man im Raum verfügt: «Selbst wenn heutzutage Vieles aufgenommen wird, so ist es ein einmaliger Moment, den die Anwesenden gemeinsam erschaffen. Es fühlt sich im besten Fall wie eine wunderschöne Reise an.»
Das Line Up an der Symbiotikka sei, wie auch in vielen anderen Klubs, oft nach wie vor männlich dominiert, die Präsenz weiblicher und weiblich gelesener Menschen will Charlotte sichtbarer machen. Andere Veränderungen gerade nach der Pandemie hält sie ausserdem fest: Die Menschen kämen früher an die Partys, die Symbiotikka begänne nun bereits um 22 Uhr und ende um 6 Uhr, während sie früher um eine Stunde nach hinten verschoben gewesen sei. Auch gebe es neuere Formen wie Spa-Raves. Die Häufigkeit von Sober Raves nehme ebenfalls deutlich zu.
Genres und Atmosphären hängen auch von den jeweiligen Klubs ab, entsprechend passt Charlotte auch ihr Repertoire an. Ausserdem ist ein Aspekt auch das Alter der Besucher:innen zentral. Sie beobachtet, dass die Menschen sich in den letzten Monaten vermehrt auch nach fröhlicheren Stimmungen durch die Musik sehnen, dies ist vermutlich auch dem Weltgeschehen geschuldet, dem zu entfliehen man sich wünscht.
Als besonderes Erlebnis sieht Charotte ihren ersten Gig im KitKat-Klub. Dort nämlich erschien auch ihre Mutter mit ihrem Partner. «Es war sehr schön, meine Mutter hatte sich extra zurechtgemacht, sie erschien in ihrem Hochzeitskleid.» Besondere Freude bereitete ihr, dass ihre zuvor kritisch eingestellte Mutter feststellte, dass die Menschen im KitKat-Klub sehr liebenswert waren – die Akzeptanz gerade von ihrer Familie ist ihr wichtig.
Instagram: Charlotte Lion
Nächste Termine: Sei Laut! am 25.4.26 in Neuss, Symbiotikka


Wer vor ihrem Pult steht, der sieht Energie, Emotion: maniaclina steht für vibrierende Bässe und Perfektion. Sie ist Resident DJ im KitKat-Klub und bei der Symbiotikka, hat zahlreiche weitere Einsätze in Europa, aber auch in Thailand.
Im Gespräch erläutert die Kulturschaffende: «Ich spiele polyamore Genres. Die Sets bereite ich nicht an sich vor, sondern ich lese die Menschen und nutze die vorhandenen Dynamiken.» Ob das jetzt an der Symbiotikka, einer Ausgabe der Syrup oder anderen Veranstaltungen ist, ein zentraler Aspekt ihrer Arbeit ist die präzise Beobachtung der Menschen: Bereits bei einigen wenigen Personen auf der Tanzfläche wirkt maniaclina konzentriert und als Tänzer:in weiss man: Hier ist jemand am Werk, der einen durch diesen Abend geleiten wird.

maniaclina schrieb schon immer selbst viel, um sich auszudrücken. «Musik drückt das aus, was Worte nicht mehr können», ergänzt sie. Ihr Engagement für die Kultur ist gross, sie ist in zwei gemeinnützigen Vereinen, unter anderem bei Paradigma e.V., tätig, nahm früher an Poetry Slams teil und setzt sich heute aktiv für FLINTA*-Personen ein. Teil ihres Engagements sind kostenlose Lehrangebote. Die Syrup-Reihe führt sie gemeinsam mit Charlotte Lion durch.
«Es ist immer schwierig zu sagen, ob ich die Menschen mit meiner Musik beeinflusse oder ob sie mich beeinflussen.» Sie hat sich ihr Handwerk selbst beigebracht, seit 2022 ist sie als DJ tätig, rasch auch in Berlin. Sie weiss, dass andere sich auf sie verlassen und strebt in ihrer Arbeit Perfektion an. Damit andere von ihrem Wissen profitieren können, bietet maniaclina wöchentliche DJ-Workshops an für FLINTA*-Personen.
Die DJ ergänzt, dass es nicht nur wichtig sei, eine Party zu leiten als DJ, sondern eben auch sich zu engagieren und auf das Gemeinsame zu fokussieren, sich gegenseitig zu unterstützen. Dafür steht sie ein, vor und hinter ihrem DJ-Pult. Sie kritisiert, dass durch die Gentrifizierung wenig Raum für Kultur existiert und dass es auch noch viel zu tun gibt, was die Sicherheit anbelangt. maniaclina ergänzt, dass sie selbst sich in der Techno- und Kink-Szene sicher fühle, dass aber der Nachhauseweg nach wie vor ein Risiko darstelle – und dass wir als Gesellschaft die Räume öffnen müssen für alle und auch sicherer machen. «Kultur und Zusammenhalt sind wichtig, wir müssen dort mehr investieren.»
maniaclina zieht auch Energie aus schönen Momenten, denen sie im Verlaufe ihrer bisherigen Karriere begegnet ist: «Die Welt ist einfach ein richtig offener Platz, und wir sollten uns für Awareness und Sicherheit einsetzen. Besonders schön finde ich Geschenke wie Figürchen oder Briefe und Notizen mit lieben Notizen.» Wer diese Energie miterleben möchte, sollte unbedingt eine Ausgabe der Symbiotikka oder der Syrup besuchen, maniaclina live zu erleben, sollte man nicht verpassen.

Instagramm: maniaclina
Nächster Termin: Symbiotikka B-Day Special, 13.5.26

Obwohl das Team rund ums Abyss Calling, einer Partyreihe in Zürich, auch einzeln auftritt, sind ihre gemeinsamen Abende häufig. DJ Silent BatBeat (aka Tim Lindner), der auch als Keyboarder von Dunkelsucht bekannt ist, und DJ Anubis (aka Martin Haas) laden sich für ihre Reihe immer auch wieder Gast-DJs ein, bei den letzten drei Ausgaben Doug Kaputtnick, Patrick von Dunkelsucht und Thomas Rainer.
Tim möchte seine Leidenschaft für Musik teilen und auch weitergeben. Martin gibt Tim als Grund an, DJ geworden zu sein, die beiden wirken als Team eingespielt und vertraut. Beide sind sich einig, dass sie als Team von Beginn an gut funktioniert haben. Beide sind seit einigen Jahren unterwegs, Tim seit 2018, Martin folgte ihm einige Jahre später.
Die beiden organisieren die Partyreihe Abyss Calling bis dato im Club 04 in Zürich, der ehemals als Wunderbox bekannt war. Das Spezielle an ihren Partys ist ihr ganz besonderer Stil, der auch auf harte Bässe und schnelle Beats setzt – und vergangenen Dezember auch ein Novum einführte, nämlich den Daydance. Martin ist dankbar für sein Publikum: «Seit wir diese Party machen, hat sich eine Art Familie gebildet und wir freuen uns immer, wenn wir dieselben Menschen wiedersehen.»
Beide noch selbst Teil der jüngeren Generation, zeigen sie sich auch optimistisch, was die Zukunft anbelangt: Es sei schön, auch wenn an sich szenefremde Menschen sich auf eine ihrer Partys wagen, um vielleicht auch etwas Neues zu entdecken. Sie sind sich einig, dass die Szene sich durchaus auch in gewisser Weise öffnen darf. Tim sagt, dass er sich selbst auch Abwechslung wünsche, wenn er eine Veranstaltung besuche. Dies versucht er in seinen eigenen Sets auch einzubauen.
«Wir sind immer offen für Neues, versuchen ab und an auch etwas aus. Gegen Ende eines Abends oder einer Nacht wollen wir etwas bringen, dass den Leuten auch ein Lächeln auf ihr Gesicht zaubert.» Es sei an dieser Stelle beispielsweise auf eine Ausgabe des Abyss Calling hingewiesen, an der gegen Ende der Spongebob-Song lief – und beinahe alle Anwesenden mitsangen. Man merkt den beiden DJs an, dass ihr Anliegen auch ist, dass die Menschen ihren Alltag hinter sich lassen und vielleicht auch über die eigene Ernsthaftigkeit lächeln können. Denn die beiden DJs wissen ebenso wie wir, dass der Alltag oft schon schwierig genug ist.
Instagram: DJ Silent BatBeat, DJ Anubis
Nächster Termin: Abyss Calling am 29.08.26 im Zürich

Marion und Michel, das sind Metallspürhunde, aber eben auch enthusiastische und erfahrene DJs, Michel legt seit 1987 auf, inspiriert durch einen Nachbarn, der ihn auch ausprobieren liess auf den ikonischen 1210er MK2 Plattenspielern. Marions aktive Zeit als DJ begann 2018, auch wenn Musik sie seit ihrer Kindheit begleitet. «Mit Anfang 20 wollte ich ein Internetradio starten, hab’s aber nicht durchgezogen. Als ich dann Michel kennengelernt und ihn beim Auflegen begleitet habe, habe ich ihm oft reingeschwatzt und entwickelte eigene Ideen. Da äusserte ich in meinem Umfeld den Wunsch, es mal selber zu probieren und einer war dann wahnsinnig genug, mich erstmals zu engagieren.»
Ihr beider Spektrum umfasst eine Vielzahl an Genres von Wave über Electro und Industrial hin zu 80er Sounds und Italo Disco. Sie sind experimentierfreudig und flechten gerne auch etwas «ausserhalb des Tellerrandes» ein. Marion betont zudem, wie wichtig es ihr sei, viele weibliche Künstlerinnen einzubauen.
Die beiden DJs erzählen von Erlebnissen, die sich besonders eingeprägt haben in ihre Erinnerungen: Michel erzählt: «Zusammen mit Kolleg:innen habe ich in den 80ern die Wanderdisco «Disco Revolution» mitorganisiert. Wanderdiscos waren in dieser Zeit in den ländlichen Gebieten sehr beliebt und immer enorm gut besucht. Nach ersten Erfahrungen an verschiedenen Schülerdiscos (die ich auch mitorganisiert hatte), hatte ich an der «Disco Revolution» vor ca. 800 Leuten meinen ersten grossen Einsatz als DJ. Ich war so nervös, ich konnte kaum den Tonarm des Schallplattenspielers auf die Platte bringen, so gezittert habe ich vor Nervosität. Aber es hat sich gelohnt: als ich die Leute tanzen sah, zu meiner zusammengemixten Musik, war ich nur noch happy!»
Marion erzählt, wie auch ein Versehen zu einem erinnerungswürdigen Moment führte: «Ich habe es fertiggebracht, bei einer Mix-CD den falschen Track zu starten, und statt des geplanten Songs ertönte plötzlich Symphonic-Metal einer Band, mit der ich überhaupt nicht vertraut war. Ich wusste nicht, ob der Song überhaupt tanzbar ist und sah zu meinem Entsetzen, dass er über 7 Minuten lang war. Die ersten zwei Minuten stand ich deshalb fluchend mit dem Rücken zum Publikum und schämte mich für diesen Lapsus. Dann sah ich aus den Augenwinkeln, dass durchaus getanzt wurde, und das Beste passierte dann im weiteren Verlauf des Abends: Da sprach mich eine junge Frau auf den Song an und bedankte sich überschwänglich. Der Song habe ihr in ihrer Jugend viel bedeutet, und sie habe ihn bisher nie an einer Party gehört. Noch nie habe sie ein Song an einer Party so glücklich gemacht! Dass es ein Versehen war, habe ich dann für mich behalten.»
Metallspürhunde: Homepage, info@mshunde.ch
Geschrieben von: the.goth.teacher
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