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Kate Khaiauri ist die Seele und Stimme hinter BUTTERFLY K. Die aus Armenien und Georgien stammende Sängerin und Songwriterin wird am 7. März 2026 am 2. Winternachtsfestival in Neunkirchen auftreten. Kate wuchs in Berlin auf, erfuhr eine klassisch-musikalische Ausbildung. Sie hat sich mit BUTTERFLY K aus ihrem Kokon befreit und erobert nun die Bühnen und Herzen ihrer Gemeinschaft.
In ihrer Musik verschmelzen orchestrale Klanglandschaften mit der Energie des Symphonic Metal – kraftvoll, emotional und tief verwurzelt in klassischer Harmonie. Sie trifft auf gitarrengetriebene Dramatik, elektronische Texturen auf fragile Phrasen. Dieses Wechselspiel aus Zartheit und Stärke begleitet Kate wie ein inneres Leitmotiv, ein Spiegelbild ihrer künstlerischen Biografie, in welcher Klassik und Moderne zu einem eigenen Universum verschmelzen.
Ihre Stücke erzählen persönliche Geschichten und schweben in ihrer erzählerischen Welt über Genregrenzen hinweg. Schreibt Kate ein Stück, so ist es ihr wichtig, dass es ihre eigene Stimme ist, ihr eigenes Leben. «Beim Schreiben kommen viele Erinnerungen wieder ans Licht – aber ich kann, anders als im eigenen Leben, die Geschichten neu schreiben.»
Die Künstlerin stellt klar: Es ist der Glaube an sich selbst, den sie in sich trägt und auch ihren Fans mit auf deren Weg geben möchte. Absolute Freiheit, sowohl thematisch wie auch musikalisch: Das ist der Wunsch, denn wenn ein Gedanke zentral im Schmetterlingsuniversum ist, dann die Hoffnung, dass jeder Mensch nach dem leben kann, wofür er steht. Muster, so sagt Kate, schränkten ein. Sie zu durchbrechen sei pure Energie.
Für sie selbst bedeutet dies konkret, dass ihre Musik für Authentizität steht. Das Symbol des Schmetterlings ist bewusst gewählt: Mit seiner Verpuppung und Verwandlung in einen atemberaubend schönen Schmetterling versteht Kate sich als Künstlerin des Wandels, die sich dennoch immer treu bleibt: Trotz aller Verwandlungen gibt es Grundsätze, denen Kate treu bleibt, so wie eine bedingungslose Akzeptanz und der Versuch, das Gegenüber zu verstehen.
Gerade in einer Zeit, in der viele Künstler:innen sich zunehmend an Algorithmen und Marktmechanismen orientieren, bleibt Kate kompromisslos. Sie komponiert, was sie spürt, nicht, was erwartet wird. In dieser Haltung schwingt der rebellische Geist des Metal mit. Vielleicht ist es gerade diese Reibung, die ihrer Musik Tiefe und Charakter verleiht.

Inspiration findet Kate im Leben an sich. So schildert sie, dass sich selbst im Alltag immer wieder Gelegenheit fänden, Neues zu entdecken. Sei es das Gegenüber in der U-Bahn oder eine bewusste Begegnung: Wer mit offenem Herzen durch die Welt gehe, finde so Vieles, das berühre. Sie erklärt schliesslich: «Wir haben es verlernt, voneinander zu lernen.»
Manche der Stücke sind so persönlich, dass die Auseinandersetzung mit ihrer Thematik sich wie eine Therapie anfühlt. Nicht nur das Stück «F69.0» beschäftigt sich mit dem Alltag vieler Menschen, sondern besitzt jeder Song eine Ebene, die uns allen zugänglich sein dürfte. Sei dies eine Beziehung, bei der am Ende die verbleibende Liebe bis auf die Grundmauern niedergebrannt wird wie bei «Lilith x Eve» oder wenn das Lächeln des Gegenübers nur noch als billige Imitation erscheint: «You smile like me, just fake, […] You’re echoing my voice.» BUTTERFLY K: «Bleed for me» In: Chrysalis (2025).
Die Künstlerin sagt, der Mut sei ihr Begleiter geworden. «Traut man sich mehr Dinge zu, so lernen sie fliegen.» In ihren Worten hallt eine Leichtigkeit nach, eine Unbeschwertheit: Den Schmetterling wählte Kate nicht ohne Hintergedanken. Er symbolisiert die Freiheit, über Grenzen zu flattern, ebenso wie das Flüchtige.
Kates Wunsch ist es, im Strudel der Vergänglichkeit etwas zu schaffen, das ebendieser trotzt: Sie möchte Schönes hinterlassen. Dies zeigt sich auf den unterschiedlichsten Ebenen: Vom Fanartikel, der farblich individuell an seine Träger:innen angepasst werden kann bis hin zu Musikvideos und Stücken, die es zu berühren vermögen.
Für Kate beginnt der visuelle Prozess nämlich bereits in jenem Moment, in dem auch ein Stück entsteht: «Wort für Wort bildet sich aus den Versen meiner Songs auch ein Film. Ich bin ein Mensch, der stets auch visuelle Reisen unternimmt. Sobald ich einen Song schreibe, entsteht beinahe gleichzeitig der Film in meinem Kopf. Dieser Film trägt die Worte des Stücks.» Die Bildgewalt der Videos erstaunt denn auch nicht.

Kate Khaiauri steht dafür, dass ein Mensch sich nicht verbiegen müsse. Mit ihrer Musik will sie aufzeigen, dass es sich lohnt, laut zu sein, mutig und frei von Angst. Denn, so sagt sie, die Angst führe dazu, dass man in der anderen Person etwas sehe, was nicht da sei. Sie führe zu Misstrauen, Hass und Diskriminierung. «Ich wünschte mir, dass es eine Selbstverständlichkeit wäre, Menschen einfach wieder wie Menschen zu behandeln.» In ihren sehr persönlichen Songs öffnet sich Kate, um aufzuzeigen, dass wir alle unsere Geschichten in uns tragen. «Der obdachlose Mensch wurde vielleicht durch eine Krankheit gezwungen, seine Wohnung zu verlassen. Der Mensch, der schwach und krank erscheint, war vor seiner Krankheit vielleicht ein starker und zielgerichteter Mensch.»
Dieses empathische Weltbild bildet den moralischen Kern ihrer Kunst. In einer Szene, die oft für Dunkelheit, Pathos und Stärke steht, bringt Kate eine neue Perspektive ein: Mitgefühl. Für sie stellt die Kunst keine Flucht aus der Realität dar, sondern eine Form der Auseinandersetzung – mit sich selbst, mit Gesellschaft und mit dem, was uns verbindet.
Die Sängerin plädiert dafür, dass wir wieder häufiger auch hinter die Fassaden schauen. Denn nur, wenn wir einander wieder mehr verstünden, sei dieser Wandel hin zu einem Miteinander möglich. Insbesondere aber gelte das für weiblich gelesene Personen, die nach wie vor grössere Hürden zu überwinden hätten.
«Ich vertraue auf das, was ich mache.» Wenn man als weiblich gelesene FLINTA*-Person mutig hinstellt und sich auch traut, das zu tun, was man will und kann, so ist dies der richtige Weg. Kate erzählt davon, dass Menschen zu häufig in Schubladen gesteckt werden. Insbesondere Frauen seien häufig noch der Kritik ausgesetzt, ausser ihrem Aussehen keine Qualitäten aufzuweisen: «Gerade Frauen, die sich auch expressiv schminken und kleiden, werden oft kleingemacht.» Kate erläutert, dass es notwendig sei, die Schranken der Kategorisierung zu überwinden, um die Gesellschaft ändern zu können. «Schränke andere nicht ein durch deine eigene Angst!» Sie fordert, dass jede:r die Chance hat, sich so zu präsentieren, wie diese Person es wünscht.

«Fate and chance align» BUTTERFLY K: «Choosing Love» In: Chrysalis (2025)
Die Zukunft öffnet sich für die Musikerin: Den Auftakt bildet das Winternachtsfestival vom 7. März 2026, doch dabei wird es nicht bleiben. Bis Ende Mai sind vier Rituale im Zeichen des Schmetterlings geplant. Ausserdem arbeitet Kate bereits an den nächsten Stücken: «Zwei Tracks sind bereits so gut wie fertig, doch sie müssen sich noch verpuppen und ihre Flügel entfalten»: Dann werden die Flügel sich erneut zum Himmel erheben und fliegen. Wir dürfen der erneuten Flugzeit des Schmetterlings gespannt entgegensehen.
Geschrieben von: the.goth.teacher
BUTTERFLY K Classical Music Female Fronted Band FLINTA* Kate Khaiauri Love Symphonic Metal Tolerance