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KUNST UND KULTUR

Grosses Kino im Theater

today10. Oktober 2026 68 5 3

Hintergrund
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Grosses Kino im Theater
Kritik zur Premiere «Bin ich Klaus Kinski?»

Bin ich Klaus Kinski? (9. Oktober 2026)

Am 9. Oktober 2026 fand die Uraufführung des Stückes «Bin ich Klaus Kinski?» im Packhaustheater Bremen statt. Hans-Jürg Osmers schrieb anlässlich des 100. Geburtstages des Künstlers diese ‘Apotheose in fünf Phasen’ und führte Regie. Die Darstellerinnen Aranea Peel, Emilia Wellbrock und Elsi Spring führen durch das Leben des exzentrischen Künstlers Klaus Kinski. Während Aranea Peel die Titelfigur verkörpert, mimen Emilia und Elsi verschiedene Figuren rund um die Biografie des Künstlers, beispielsweise Regisseure wie Werner Herzog oder Geliebte Kinskis.

Bin ich Klaus Kinski? (9. Oktober 2026)

Die Premiere war furios und überzeugte in jeder Hinsicht. Hans-Jürg Osmers eröffnete mit einer Rede und umfassenden Triggerwarnung das Stück – das sich innert Sekunden zu einem atemberaubenden Ritt entwickelte. Inhaltlich fällt von Anfang an auf, dass die Aufarbeitung des Lebens eines Künstlers mit hoher Sorgfalt erfolgt. Kinski wird auf keinen Sockel gestellt, sondern es ist zu jedem Zeitpunkt klar, dass die Figur problembehaftet ist. Vom Jugendlichen zum Deserteur hin zum gefeierten Schauspieler und dessen zunehmender Obsession mit seinem finalen Werk Kinski Paganini, das 1989 erschien und unter anderem von Cannes abgelehnt wurde wegen seiner Gewaltdarstellungen und pornografischen Inhalten.

Die Selektion der Ausschnitte zeigt auf, dass das Ensemble sich eingehend mit Kinski, seinem Charakter und seiner Biografie auseinandersetzte. Die eingenommenen Rollen sind vielfältig, doch es sind Rollen: Zahlreich sind die Momente, in denen die vierte Wand durchbrochen wird. Gleich zu Beginn erfolgt ein Zwischenruf, und bereits in diesem Moment wird klar: Die Intensität des Stückes wird gewaltig sein, denn die Wut über die Unterbrechung ist fühlbar und breitet sich unmittelbar im Theater aus. Nicht nur hier erfolgt ein Verfremdungseffekt: Auch sprechen Emilia und Elsi an manch einer Stelle zum Publikum oder rezitieren Fachtexte. Die Ebenen vermischen sich immer wieder von Neuem.

Besonders sind die schauspielerischen Fertigkeiten der Frauen auf der Bühne hervorzuheben, aber auch der Umgang mit Requisiten und technischen Mitteln. Das Zusammenspiel des Ensembles war zu jedem Zeitpunkt von hoher Qualität, sei es, wenn Emilia Wellbrock als Minhoï Geneviève Loanic sich betont kühl und distanziert lesend auf dem Sofa präsentiert oder wenn Elsi Spring würgend zu Boden sinkt oder als Werner Herzog die Kritik des cholerischen «liebsten Feindes» empfängt.

Bin ich Klaus Kinski? (9. Oktober 2026)

Das Stück verwebt unzählige Elemente: Eröffnungsszenen aus den Edgar Wallace-Filmen, Lokal- und Zeitkolorit werden durch die Projektion entsprechender Hintergründe intensiviert, Rezitationen bewirken eine Art fachliche Ergänzung und schaffen wiederum Distanz, Katharsis ist hier definitiv nicht gefragt. Sorgsam gewählte Kostüme unterstreichen den Charakter der Szenen. Wer mit dem breiteren Werk der Künstlerin Aranea Peel vertraut ist, wird sogar die ein oder andere Referenz zum musikalischen Oeuvre erkennen. Auch Musik ist Teil des Stückes, wenngleich sparsam eingesetzt – und doch bildet sie den Rahmen um diese Apotheose.

Bin ich Klaus Kinski? (9. Oktober 2026)

Zum Schluss stellt sich Aranea Peel die titelgebende Frage: Die Antwort darauf erfährt man in den weiteren Aufführungen. Bis zum 18. Oktober wird das Stück in Bremen im Packhaustheater aufgeführt. Die Reise in die Hansestadt lohnt sich, geboten wird einem ein Stück, das Abgründe eröffnet und in Regie, Text und Schauspiel überzeugt. Zu keinem Zeitpunkt erhielt man als Zuschauer:in das Gefühl, dass die doch problematische Figur des Künstlers glorifiziert würde. Es stellt sich also die Frage, wem die Apotheose gilt: Dem als wahnsinnig porträtierten Kinski oder der genialen Künstlerin Aranea Peel. Was aber feststeht: Das war ganz grosses Theater.

Bin ich Klaus Kinski? (9. Oktober 2026)

Tickets gibt es hier.

Geschrieben von: the.goth.teacher

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