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CD REVIEWS

Vampire, Emotionen, Gift und eine Nacht voller Überraschungen

today2. Oktober 2026 34

Hintergrund
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Vampire, Emotionen, Gift und eine Nacht voller Überraschungen

Englische Version hier

Mit dem Oktober wird in den Sozialen Medien der Beginn der «Spooky Season» gefeiert, doch mehr als die Unmengen an käuflich erwerbbaren Accessoires, die den Monat oft qualitativ sowieso nicht überstehen, bleibt die Musik. Die dunkleren Jahreszeiten werden durch Cecilia Dassonneville, Tina Boleti, Caitlin Stokes und aniaclina eingeläutet, sie erschaffen in ihren neuen Stücken (Alptraum)Welten, die gehört werden wollen.

Gift der Emotionen

Aus einem Traum aufwachen, nur um wieder einen Schluck des Giftes zu nehmen, das einen zurückfallen lässt in die Welt gefährlicher Träume. Treibende Rhythmen, ein Stück voll verwobener Ebenen. Echoberyl veröffentlichen ihren neuen Song „Your Poison“.

Leichtfüssig tanzen die Verse, doch ihre Inhalte sind geprägt von Düsternis und der Erkenntnis, dass ein Gegenüber das eigene Leben mit Gift füllen kann – der Gedanke lässt sich aber ebenso übertragen auf gesellschaftliche Kontexte. Wir sind angewiesen auf die Mechanismen dieser Welt, doch töten sie uns gleichermassen Stück für Stück.

Echoberyl benennen bereits auf ihrer Homepage die Ausrichtung des Projekts sehr klar: «Dark Music and Storytelling». Es ist denn auch erstaunlich, wie weniger Worte es bedarf, um eine Geschichte zu entwerfen und zu erzählen. Das neue Stück reiht sich hier in eine Vielzahl von Erzählungen – jedes Lied könnte ein Leben füllen. Besonders faszinierend dabei ist, mit welcher Poesie die Stücke aufwarten.

Das Stück gehört auf jede kuratierte Playlist, es enthält alles: eine gute Melodie, die im Ohr bleibt, eine traumhafte Stimme und eine Geschichte, die wohl jeder Mensch auf seine eigene Weise bereits hat entdecken können oder besser: müssen.

Screenshot

Hintergrundinformationen

Musik: Echoberyl (Cecilia Dassonneville, Adriano Iacoangeli (Fluid Ghost)
Bild: Spotify Echoberyl

Requiem der Emotionen

Tina Boleti (Night in Athens) ebnet den Weg zu ihrem neuen Album: Teil dieser Reise ist „Requiem Mécanique“, das heute erschienene Stück, das kalte, mechanische Rhythmen kombiniert mit einer Zartheit und Verspieltheit, die der Künstlerin innewohnt. Das Stück beginnt mit einem Radiosample von 1958 und dokumentarischen Beitrag «Have I Told You Lately that I Love You?». Das Stück wirkt seltsam distanziert, sie erinnern an die Kunst des dänischen Malers Vilhelm Hammershøi, dessen Gemälde einsame Figuren zeigen, die Teil einer modernen Gesellschaft sind.

Distanz und Nähe sind zwei Stichworte, die sich in das Stück organisch einfügen. Sie sind Sinnbild der Ängste unserer Modernität, an der wir oft zu zerbrechen drohen. Dass dafür ein Beitrag aus den späten 1950er Jahren gewählt wurde als Sample, zeigt nichts anderes auf, als dass hier Emotionen aufgezeigt werden, die nicht neu sind. Die Angst vor der Vereinsamung ist nichts Neues, sondern Teil universeller menschlicher Emotionen.

Insbesondere fragt das Stück also: «I wonder is this the end?» Es erzählt von Verlust, Erinnerung und den steten Änderungen unseres Zuhauses, unserer kulturellen Ausdrucksweisen und schliesslich auch auf die vorüberziehenden Jahre – und allmächtige Technologien im Hintergrund.

Das Stück ist grossartig, es folgt einer Erzählung, die einen mitreisst und die im Raum schwebt, auch wenn die letzten Klänge allmählich in Stille übergehen.

Hintergrundinformation

  • Geschrieben, produziert, programmiert und performt durch: Night in Athens
  • Mixing and Mastering:  Fabrika Music Studio
  • Visuals: Night in Athens / Tina Boleti
  • Intro sample recording: Have I told Lately that I Love you? (Internet Archive/Public Domain)

Zwischen dunkler Ästhetik und hellem Schein

Corlyx: Presskit zu „The Holy Vampire“

Mit einem Video erscheint das neue Stück „The Holy Vampire“ der Gothrockband Corlyx. Das Video wechselt seine Erzählräume immer wieder, von einer dunklen Farbgestaltung hin zu einer hellen und erhabenen Atmosphäre. Die Farben bleiben sich gleich, rot, schwarz und weiss. Am Ende trägt die Protagonistin, die Caitlin selbst mimt – wie übrigens auch die Regie zum Video -, eine rote Schärpe – die scheinbaren Gegensätze vereinigen sich.

Doch nicht nur das Video trägt eine starke Bildsprache in sich. „The Holy Vampire“ ist ein Stück, das tief aus der Biografie der Künstlerin stammt: «Ich entdeckte Schauerliteratur zur gleichen Zeit, wie ich als Kind in der Bibelschule war. Einen Grossteil meiner Zeit verbrachte ich damals in der Bibliothek, so war es nur natürlich, dass sich die beiden Welten irgendwie vermischten. Der Symbolismus des Gotischen und der Schauerliteratur sind durchsetzt von religiösen Zeichen. Diese Geschichten haben sehr viel gemeinsam in Thematik und Philosophie.»

So setzt Caitlin in ihrer Erzählung des heiligen Vampirs diesen gleich mit dem Vaterarchetypen, der entscheiden soll, wer richtig und wer falsch sei. Sie spielt auch an auf die Geschichte des falschen Propheten. Immer wird auch die Kritik an institutioneller Religion deutlich – Caitlin erinnert an all die Gräueltaten, welche im Namen Christus’ erfolgten, während dieser sich eigentlich für die Armen eingesetzt hat. Und hier setzt sie den Vampir gleich mit Institutionen, die, statt die Bedürftigen zu nähren, sich an ihrem Blut laben.

Die neue Single ist kraftvoll und, wie Brandon Ashley sagt, «super tanzbar und regt vielleicht sogar an zu einem kleinen Moshpit im Goth-Club». Insgesamt nähert sich das Stück stark den Songs des Albums ‘Purple Pain’ an und ist wie gewohnt sehr eingängig. Das Stück gehört auf jede Playlist.

Hintergrundinformationen

  • Geschrieben von Caitlin Stokes und Brandon Ashley
  • Produktion und Arrangement: Caitlin Stokes und Brandon Ashley
  • Lyrics und Vocals: Caitlin Stokes
  • Drums (geschrieben und performt): Flow Toulman
  • Bass: Davide Rocco
  • Gitarren (geschrieben und performt): Brandon Ashley
  • Mix und Mastering: Brandon Ashley (Dtuned Brighton Productions)
  • Artwork/Fotos: Caitlin Stokes
  • Musikvideo: Regie und Edit durch Caitlin Stokes, Film: Seraina Winters und Caitlin Stokes. Die Live Footage stammt vom Prague Gothic Treffen (2026).

maniaclina: Verwandlungen

Ihr Debüt feiert maniaclina mit „Baddie Transition“, einem kraftvollen Stück aus dem Techno-Genre. Der Soundtrack trägt eine deutlich individuelle Handschrift, was bei einem Erstling definitiv erstaunt und begeistert. Das Stück mäandriert zwischen verschiedenen Elementen, es erzählt davon, sich irgendwo im Netz der Zeit zu verlieren, irgendwo zwischen Tanzfläche, Nachhall und Nachhauseweg – bis die Sonne einen neuen Tag einläutet.

Das Stück verfügt über explosive Basslinien, groovy Elemente und Vocals, die einladen in eine Nacht voller Schweiss, Glitzer und dem Wunsch, noch nicht nach Hause zu gehen. Insgesamt ist es ein Stück, das Berlin nach Eintritt in die Nachtwelt aufzeigt, und eine Nacht voller Hedonismus.

Im Stück vereinen sich maniaclinas Fertigkeiten als DJ (z.B. Symbiotikka, KitKat-Club) und die Produktion des Stücks durch Dynamic Berlin. Der Song ist geprägt von energetischen Rhythmen und scheut nicht davor, seine Richtung zu ändern. Entstanden ist ein Debüt, das hypnotische Basslinien vereint mit starken Akzenten und einem Monument für den Moment. Und dieser Moment dauert die ganze Nacht.

Hintergrundinformationen

  • Musik und Vocals: maniaclina
  • Visuals: Steppsen Emcee, Milla_Van1lla
  • Musikvideo: 9. Oktober 2026

Geschrieben von: the.goth.teacher

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