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Vor einer Woche erschien es, das neue Album der türkischen Band Ductape. Und wenig mehr lässt sich feststellen als ein massloses Staunen über die lyrische und musikalische Kraft der zehn Stücke. Drei davon waren bereits im Vorfeld veröffentlicht worden, ‘Fine’, ‘Obscure’ und ‘Gölgesiz’:
Den Auftakt des Albums bildet das Stück ‘Figures’, es malt das Bild der Welt, die in schnellen Bildern vorüberzieht und weckt Sehnsucht, wenn die titelgebenden «Figuren» in den Nachthimmel blicken und hoffen, einen der Sterne erreichen zu können: «Figures looking at the stars/Thinking if they can reach one tonight.»
Im zweiten Akt ‘Fine’ findet sich das lyrische Ich am tiefsten Punkt des Seins wieder und entdeckt doch die Schönheit des Daseins, die die Erzählstimme darin findet, dass dieser Punkt ihr selbst gehören darf.

Die Erzählung wird fortgeführt mit ‘Obscure’ und einer scharfen Kritik zahlreicher falscher Versprechungen, die im Lichte aktueller Geschehnisse und Entwicklungen umso stärker wiegen. Die Musik unterstützt die Schwere dieser Gedanken: Und doch ruft das Stück auch dazu auf, sich zu bewegen, denn der scheinbar ewige Schockzustand findet sein Ablaufdatum. Es ist an der Zeit, endlich die Dinge anzugehen, die das Licht der Welt gestohlen haben – das alles vermag der Song in knapp vier Minuten zu erzählen.
‘Gölgesiz’, und damit ein Stück in türkischer Sprache, führt die Geschichte von «Faded Flowers» weiter. Auch wenn die ein oder anderen Hörer:innen nicht unmittelbar den Zugang finden zu den Lyrics, so sind Isolation und Stillstand wirksam in musikalische Gestalt eingepackt.
Im Takt des klassischen Walzers entfaltet sich ‘Velvet Dawn’ und hier tauchen auch die Blumen auf, die äusserlich tot scheinen, aber tief im Innern lebendig bleiben.
Einen schnelleren Takt schlägt das folgende Stück an: ‘Burn’. Es ist ein Stück, das in direkter Weise eine Begegnung beschreibt, die das Duo in Oberhausen erlebte: Als Support von IAMX waren die beiden Künstler konfrontiert mit einer Frau, die das Konzert nur besuchte, um ihnen am Merchstand mitzuteilen, dass ihre Musik teuflisch sei und sie in ewigem Feuer brennen würden. Es ist immer wieder faszinierend, was aus einer eigentlich unerfreulichen Begegnung entstehen kann. Das Stück jedenfalls reisst einen mit.
Der siebte Song ‘D.E.R.T.’ ist ein Stück, das genauso überzeugt wie der Rest: Die Quintessenz des Stückes findet sich am Ende: «Do you feel alive/Feel who you really are.»
Mit dem achten Stück ‘Sad Gravity’ schlagen Çagla und Furkan ruhigere Klänge an und stellen die Frage, wie wir heilen können und wie wir im Herzen der samtenen Dämmerung («in the heart of the velvet dawn») zu Vergebung finden können. Ein Stück, das mitten in die Seele trifft und von mesmerisierender Schönheit ist. Die Frage nach der Sinnhaftigkeit unserer Existenz wird hier in Klang gefasst.
Das zweite türkischsprachige Stück ‘Delilik’ wird aus ‘Sad Gravity’ geboren und führt es klanglich weiter: Es prangert an – wir hätten zwar den Schlüssel, doch öffne er keine Tür. Eine Welt voller Schatten birgt Wahn und Tod, doch verbleibt am Ende der Grund unserer ureigenen Büchse der Pandora bestehen – irgendwann wird es gehen.
Und dann wird uns die Welt auffordern zu einem letzten Tanz – dort wird nur noch die Stille Bestand haben.
Das Album ‘Faded Flowers’ ist von intensiven Emotionen geprägt, die sich in jedem Stück widerspiegeln. Ductape entwerfen hier das Bild einer Gesellschaft, die an ihrem Ende angekommen ist und nur noch den fernen Duft früherer Blüte in sich trägt – das Bild einer Gesellschaft, die sich neu erfinden und denken muss.
Es ist ein Album über falsche Götter, Strukturen und Identitäten – und es dürfte das bisher stärkste Album der Band sein. Ein Album, das jede:r unbedingt gehört haben sollte, denn diese zehn Stücke mit ihrem grandiosen Artwork bleiben im Herzen eines jeden Menschen bestehen.
Geschrieben und produziert durch Ductape
Musik und Lyrics: Ductape
Vocals, Synth: Çağla Güleray
Elektro- und Akustikgitarre, Drums: Furkan Güleray
Mixing: Furkan Güleray
Mastering: Uğur Yelkenci
Vinyl Mastering: Marco Milanesio
Cover Art: Begüm Koçum
Artwork Design: Çağla Güleray
Aufgenommen in Ankara, Türkei (2025-2026)
Geschrieben von: the.goth.teacher
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