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BANDVORSTELLUNG

DUCTAPE: Poesie der Emotionen

today29. August 2026 20 5

Hintergrund
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Poesie der Emotionen

Ein Interview mit Ductape

Bild: Begum Kocum

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Mit stiller Besonnenheit tritt sie auf die Bühne, an ihrer Seite der Gefährte, der sie mit der Gitarre begleiten wird. Ihr Blick schweift kurz über die Reihen des Publikums, ehe ihr Auftritt beginnt und mit den ersten Klängen webt ihre Stimme Klangwelten, welche die Menschen ins Innerste ihrer Seelen führen. Ductape, das sind Çağla und Furkan Güleray. Seit nunmehr sieben Jahren verzaubern sie ihre Hörer:innen.

Ihre Bühnenpräsenz ist unvergleichlich, innert weniger Momente breitet sich das Tuch der Poesie aus und wer genau hinschaut, erkennt, wie Zuschauende sich in den Bann der Performance ziehen lassen. Bei einem ihrer ersten Auftritte in Mexiko gab es denn seitens Çağla und Furkan grosses Erstaunen, als die Fans die türkischsprachigen Lyrics problemlos mitsangen – auch wenn sie der Sprache gar nicht mächtig waren.

Für die beiden Musiker ist diese Verbindung mit Menschen unterschiedlichster Länder ein wichtiger Aspekt ihrer Musik. Wer schon einmal den beiden am Merch-Stand vor oder nach einem Konzert begegnet ist, der weiss: Der Austausch ist authentisch und warmherzig. Umso mehr erstaunt eine Episode, die Çağla erzählt: Während der Austausch mit den Konzertbesucher:innen meistens sehr positiv ist, kam es einmal zu einem Moment des Befremdens, in dem eine Frau extra an ein Konzert von IAMX und Ductape gekommen war, um den beiden Bands das Verderben zu wünschen. Meistens aber, so lacht Çağla, ist der Austausch ein herzlicher.

Entlang eigener Schatten

Dieser Ort ist ein stiller, das lyrische Ich trägt etwas Schweres in sich, während die Welt sich weiterdreht. Vom Gefühl, unsichtbar zu werden, handelt das neuste Stück. Es erzählt aber auch davon, zum Sturm zu werden, sich für einen Augenblick aus dem Leben zurückzuziehen. Das Musikvideo ist eindrücklich: Die Sonne steht über allem, kein Schatten erleichtert das Dasein. Lebt jemand zu lange isoliert, in Einsamkeit, so verliert sich dessen Spur und mit ihr der Schatten, den man werfen könnte.

Gemeinsam mit den zwei Singles «Fine» und «Obscure» entfaltet sich allmählich das Album, das am 18. September 2026 erscheinen wird. Es trägt den Titel ‘Faded Flowers’ und steckt voller Varianten. Insgesamt bleibt es dem ursprünglichen Klang der Band aber treu. «Es ist unser emotional vollständigstes Album bisher.» Çağla erläutert, dass es sich um kein Konzeptalbum handle, dass es sich jedoch um ein Album handle, das in Zeiten des Wandels geprägt wurde. Verbunden sind all die Stücke durch Erinnerungen und Emotionen: «Es ist fast ein wenig, als beobachte man, wie die Schönheit in Slow Motion zerfalle.»

Bild: Begum Kocum

Eine Einladung

Das Duo, so stellt man im Rahmen eines Auftritts oder auch auf den Sozialen Medien rasch fest, funktioniert hervorragend. Furkan ist derjenige, der seine Partnerin überhaupt erst in die Musikszene einlud. Glücklicherweise, so ist man als Hörer:in versucht zu sagen.

Die Bühne ist ihr Safe Space, hier sind Ductape in der Lage, ihre eigenen Emotionen zu reflektieren. Voller Ausdruck: Licht, Visuals und Momente der Stille stützen jene dichte Atmosphäre, die sich die Künstler zu eigen gemacht haben. «Wir wollen die Menschen nicht auf konventionelle Weise unterhalten, sondern sie für eine Stunde oder mehr in unsere Welt einladen.» Auffällig dabei ist, dass es keine Rolle spielt, in welcher Sprache ein Stück gesungen wird. Manch ein Gefühl lässt sich nur in der Sprache ausdrücken, die von Geburt an in einem ist. Emotionen aber bedürfen keiner Übersetzung, sie sind lesbar für jeden, der sie wahrnehmen will.

Der Musik wohnt eine Macht inne, die wenig anderen Kunstformen so unmittelbar verliehen ist. Auch ist sie oft in der Lage, den Hörer:innen etwas vor Augen zu führen, das sie vielleicht nur geahnt hatten. «Obscure» ist ein Stück, das auf eine solche Erkenntnis hinweist. So erzählt es davon, dass die Menschen langsam aufwachen und dass wir nicht hilflos zusehen müssen, dass die Welt bleibt, wie sie ist. Çağla erklärt: «Die Systeme, in denen zu leben uns gelehrt wurde, sind an ihrem Ende angelangt. Es braucht einen Bruch.» Dass Çağla gerne dystopische Werke mag, muss also kaum erwähnt werden.

Inspirationen

Das Duo lässt sich von vielerlei Dingen inspirieren. Da sind Musiker:innen zu erwähnen wie Joy Division, Depeche Mode oder Siouxsie and the Banshees, aber ebenso Diary of Dreams. Während das Stück «Evil Me» beispielsweise angeregt wurde durch das Werk «Frankenstein», bleibt Çağlas Lieblingsfilm «Dark City». Visuelle Inspiration zieht sie aus den Werken von Hieronymus Bosch.

Aber auch die Welt, die sie umgibt, wird zu einem Teil des Ideengewebes. Erinnerungen an die Länder, die sie im Rahmen ihrer Tourneen besuchten, tragen ebenso dazu bei wie der Wunsch, auch andere Länder zu bereisen als Musiker: Besonderen Reiz trägt der Osten, beispielsweise Japan. Auf die türkische Szene angesprochen erläutert die Künstlerin: «Die Fangemeinde wächst, weil eben auch die Szene an sich grösser wird. Gründe hierfür können die alten Filme und Soundtracks sein oder auch die Mode. Beispielsweise wird sogar in Filmen ausserhalb der Szene Siouxsie and the Banshees gespielt.» Das Publikum ist in der Heimat von Ductape wesentlich jünger, die älteren Generationen haben sich mittlerweile aus der Szene zurückgezogen.

Ein Blick in die nahe Zukunft

In weniger als einem Monat wird das neue Album erscheinen. ‘Faded Flowers’ erstrahlt in den intensivsten Farben, die Klänge werden wohl so schnell nicht verblassen. Für das Cover haben sich Ductape Begüm Koçum geholt als Fotografin. Das klanggewaltige Album wird dadurch zu einem vielschichtigen Kunstwerk – die Schleier werden am 18. September fallen und jene Schönheit preisgeben, die in der innersten Seele verharrt.

Bild: Begum Kocum

Weitere Informationen

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Bandcamp

Geschrieben von: the.goth.teacher

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