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BANDVORSTELLUNG

Der Apathie entfliehen: Dark State

today16. Juli 2026 8

Hintergrund
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Foto: Dark State

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Momente innerer Dunkelheit sind allen Menschen bekannt, sie sind Teil des emotionalen Spektrums, das uns während des Lebens begleitet. Scott Mick, der Sänger von Dark State, hält fest, dass er sich im Augenblick des Schreibens in einem dunklen Zustand befinde, beispielsweise Schmerz empfinde, und dass er etwas Positives in die Welt bringen möchte. Der Name der Band wurde so gewählt, dass jeder Mensch sich in den Gedanken wiederfinden und -erkennen kann.

Auch Per-Anders erläutert, dass das Schreiben von Melodien auch für ihn teilweise therapeutische Wirkung habe. Das können unterschiedlichste Erfahrungen sei, die verarbeitet werden. Wenn die persönliche Erfahrung nun aber einen Wert besitze für die Gesellschaft, so entstehe Kunst.

Per-Anders Kurenbach, der schon Teil zahlreicher musikalischer Projekte war seit den späten 1980er Jahren, erklärt, dass Dark State nicht bloss den Genres Electro oder Darkwave zugeordnet werden könnte, sondern wesentlich diverser seien. Manche der Stücke sind eingängig und führen in die Richtung von Synthpop, andere erzeugen eine dichtere Stimmung. Das Debütalbum ‘Hovering between Empathy and Apathy’ enthält sogar ein Solo-Piano-Stück, bei dem Per-Anders die Melodica spielt.

Eine Möglichkeit, ihren Stil zu definieren, ist der Begriff des hybriden Elektro-Rocks. Gitarren bilden dabei einen essenziellen Teil des Klanges: René Wessely prägt diesen mit seinem Spiel. Die Klangelemente werden durch die starken Texte Scotts und seine einzigartige Stimme ergänzt, wodurch sich eine glatte Ganzheit ergibt, die den Sound der Band ausmacht.

Interessant ist, dass der Klangteppich keinem einheitlichen Konzept folgt, sondern der Narration eines jeden Songs. Das können schon einmal Synthesizer, Gitarren oder Pianoklänge sein, die in den Vordergrund rücken – ganz, wie es das Stück erfordert. Das Debütalbum enthält insgesamt 13 Songs.

Hovering between Empathy and Apathy

  1. Another lifetime
  2. As she walks
  3. In my sleep (a diary)
  4. Heretic
  5. Shut it of
  6. No soul
  7. The scent of lust
  8. Prologue
  9. War
  10. Wake Up
  11. Falling in real time
  12. Reincarnation
  13. Alright

In unserer Gesellschaft finden sich Anteile beider Haltungen: Oft ist es so, dass wir uns in unserer Gemeinschaft etwas verloren fühlen, der Zusammenhalt ist vielerorts schwach. Jede:r ist mit seinem eigenen Leben zu beschäftigt, um eine spontane Begegnung wahrzunehmen. Gleichzeitig rücken wir in die Ferne voneinander, durch Soziale Medien fühlt sich jede:r in der Lage, über andere Menschen zu urteilen. Zuzuhören ist eine rare Gabe geworden.

Scott erklärt: «Die Welt befindet sich im Zustand des Chaos, eben irgendwo zwischen Empathie und Apathie. Sehen wir das Chaos dann, so können wir es bezähmen.» Obwohl es klar sein muss, dass alle Menschen die Welt etwas anders sehen und auch das Chaos in und um sich herum anders wahrnehmen, sind wir in unseren Urteilen zu schnell, da ist sich Per-Anders sicher.

Auch die Schwarze Szene ist vor diesem Urteilen nicht sicher, es gibt die «richtige» Musik, man ist aus den «richtigen» Gründen Teil der Szene – eine Entwicklung, die Per-Anders bedauert. «Als eine Subkultur, die schon immer die Individualität gefeiert hat, sollten wir diese in ihren verschiedenen Formen willkommen heissen. Für mich war gute Musik noch nie abhängig von einer bestimmten Szene.» Ein Stück, das diese Idee besonders hervorhebt, ist ‘Heretic’.

Scott ergänzt die Gedanken zu ‘Heretic’: «Wir sind zu einem Meer aus schwarzer Kleidung geworden, und es bedarf wirklich etwas Glitzer, der über die Menge gestreut wird, um den Glanz zurückzubringen. Wandel ist notwendig, um sich zu entwickeln.» Per-Anders geht sogar so weit, dass er sagt, von der Schwarzen Szene teilweise enttäuscht zu sein: Andere zu bewerten und sogar auszuschliessen, sei nicht das, was er sich wünsche, sondern vielmehr Akzeptanz und Zusammenhalt – und zwar über die Generationengrenzen hinweg.

Richtungsweisend

Im Stück ‘A Diary (In my Sleep)’ stehen Träume im Zentrum. Scott erklärt: «Träume können nicht wahr werden, wenn wir nur im Traum leben. Wir benötigen die Realität, damit Dinge geschehen können.» Die Herausforderung besteht also darin, eine abstrakte Idee, wie sie die Grundlage eines Stückes bilden kann, in etwas Konkretes umzuwandeln. Per-Anders zeigt aber auch auf, welchen Wert die Träume haben, denn sie können eine Richtung vorgeben. Die Realität besteht dann eben darin, die Stücke zu schreiben, aufzunehmen und zu finalisieren.

Ein Stück beginnt meist bei Scott: Er schreibt die Lyrics, denn Beobachtungen, Emotionen und alltägliche Situationen inspirieren ihn. Ausgehend von diesem ersten Funken entwickelt Per-Anders die musikalischen Welten um die Lyrics herum. Ab und zu ist es auch umgekehrt, insgesamt lässt sich eine gegenseitige Inspiration feststellen.

René Wessely ist seit 2024 festes Mitglied der Band und beeinflusst den Klang der Musik stark. Auch wenn viele der Stücke bereits geschrieben waren, fügte der Gitarrensound neue Ideen und oft sogar eine komplett andere Richtung hinzu. Das führte dazu, dass die Band mehr als einmal zurückgehen und das Arrangement neu erfassen musste. Ziel war es, den Gitarren mehr Raum und Bedeutung zu geben. Die Gitarre ist in ihrer Sprache eine neue Stimme – und damit ergänzt René nicht bloss als Gitarrist, sondern als kreatives Mitglied die Band.

In Zukunft wollen sie den Schreibprozess weiter auf eine kollaborative Ebene stellen und die Stücke gemeinsam hegen und pflegen, damit sie heranwachsen können. Musik sei dann am stärksten, wenn sie ehrlich und authentisch sei, so Per-Anders. Die Musik ist dabei eine universelle Sprache, die gesellschaftsverändernd war in der Vergangenheit.

Foto: Dark State

Botschaften

Lyrics können das Denken und Fühlen der Hörer:innen ein wenig mitlenken: Wie man also seinen Mitmenschen gegenübertreten kann, ist auch manchmal beeinflusst durch die Musik. Die starken Lyrics von Scott bewirken auf jeden Fall, dass man sich Gedanken macht zu dem, was sein könnte.  Musik ist auch in der Lage, Erinnerungen zu konservieren: Per-Anders nennt Jens Plöger (RUN:), der «In Sheol» ein sehr persönliches und berührendes Stück über seine Mutter schrieb: Dieses zeigt auf, dass Trauer nicht ausgelöscht werden kann durch Musik, dass sie aber die Erinnerung unterstützt und etwas Trost spenden kann.

Ein weiteres Beispiel findet sich in ihrem eigenen Oeuvre: 2023 schrieben Scott und Per-Anders ein Stück für ihren Freund Frank Merkel. Auch wenn es nicht den Tod an sich thematisierte, sprach es von dem, was bleibt, wenn der Mensch verloren ging: Erinnerungen an eine Stimme, an Gespräche und an die Menschen, die sichtbare Spuren in unseren Leben hinterlassen haben.

Die Künstler wünschen sich, dass Musik begleiten kann auf all diesen unterschiedlichen Wegen und in den verschiedensten Situationen: Per-Anders bemerkt, dass sein Ziel nicht unbedingt sei, dass jede:r zu allen Songs tanzen könne, sondern dass jedes Stück seine ganz eigene Wirkung entfaltet. Auf einen weiteren Horizont bezogen wünschen sich Dark State, dass die Menschen ein wenig mehr Empathie, mehr Neugier zeigen – und dass sie aufhören, alles bewerten zu wollen.

Weiterlesen

Per-Anders Kurenbach: Wikipedia
Scott Mick: Bandcamp
René Wessely: Facebook
Dark State: Bandcamp

Geschrieben von: the.goth.teacher

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