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Die Abendsonne senkt sich über die antike Stadt: Athen ist eine Stadt, die bis in die Nacht hinein voller Leben und Geschäftigkeit steckt. Cafés und Orte wie das Quartier Ψυρρή (Psyri) sind voller Menschen, die miteinander sprechen, sich austauschen, lachen, Pläne schmieden. ‘Athenian Sunset’ sucht die Einsamkeit: Die EP ist ein Experiment des Künstlers Yiannis Diakoumakos, der durch sein Projekt Porcelain Dancer bekannt ist.
Vier Stücke sind es, entstanden in einem Zeitfenster von «32 Stunden» (Bandcamp). Im Selbstversuch isolierte sich der Sänger und fokussierte vollkommen auf die Musik. Entstanden sind dabei vier beeindruckende Stücke. «Das gesamte Projekt ist um das Konzept eines leeren Raumes geformt: die Stille, der Raum und die Gedanken, die diesen füllen, ist man mit sich selbst alleine. Die Stücke repräsentieren, wie ich mich in jenen Momenten fühlte.»

Es ist ein gewagtes Experiment, das den Künstler auf sich selbst zurückwirft. Isolation kann auch zu Wahn führen, so wenigstens wissen wir das seit Stefan Zweigs Schachnovelle – dort rettet den Protagonisten Dr. B lediglich das Schachspielen mit sich selbst, auch wenn er einen hohen Preis zahlt.
Yiannis hingegen erschafft Welten und sagt, er habe sich verjüngt gefühlt und keinesfalls müde. «Es fühlte sich ein wenig an wie eine dieser Therapiestunden, in denen Therapeut und Patient dieselbe Person sind. Der schwierigste Teil ist immer der Anfang. Habe ich einmal begonnen, so erlaube ich es mir nicht, meine Arbeit zu unterbrechen. Der entscheidende Moment ist der, in dem ich entscheide, dass ein Stück beendet ist.»
Die Hörer:innen werden also eingeladen, die 32 Stunden mit Yiannis zu verbringen und den dabei entstandenen vier Stücken zu lauschen. Den Auftakt bildet ‘Shrine’: In diesem Stück betritt Yiannis den Raum: «Mein persönlicher Schrein ist das Erschaffen. Dabei muss es sich nicht nur um Musik handeln, sondern grundsätzlich darum, etwas zu kreieren.»
Das Stück ‘Black Cat’ gibt einen Einblick in den Raum, in dem Yiannis die EP schrieb: Über seinem Bett hängt eine japanische Bildrolle, die einen Wintertag zeigt und eine Frau mit Schirm: Sie steht vor einer Izakaya oder einem alten Marktstand. Eine kleine schwarze Katze beobachtet die Szenerie und die beiden in sich einsamen Figuren tauschen einen wissenden Blick aus. Es ist ein Bild, das grosse Ruhe ausstrahlt, so Yiannis.

Um Räume dreht sich auch das letzte Stück ‘Strangers’, das sich mit der Agoraphobie beschäftigt: “I pay your cost with torture.” Auch wenn jeder Mensch das Gefühl kennt, sich mitten auf einem Platz bedrängt zu fühlen von all jenen Leuten, die einen anstarren, Smalltalk führen wollen oder gar eine nähere Bekanntschaft suchen, verstärkt das Gefühl der Agoraphobie dieses Unwohlsein hin ins Pathologische. Die Beobachtungen Yiannis’ sind treffgenau und in eine poetische Sprache übertragen: “In a sea of restless eyes/Strangers in the night/They love or fight.”
Wer sich also in den Klängen eines Athener Sonnenuntergangs verlieren möchte, ist bei Porcelain Dancer gut aufgehoben. Die EP liefert vier Stücke feinsten Darkwaves und Post-Punks. Die 32 Stunden Einsamkeit liessen etwas entstehen, das nachklingt.
Athenian Sunset (2026)
Geschrieben von: the.goth.teacher
Darkwave EP Experiment Griechenland Porcelain Dancer Post Punk