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Lesecouch: D1NTR

today25. Juni 2026 18 5

Hintergrund
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Tales of Immortality ist das erste Album von Nadine Dinters Projekt D1NTR und Josh von hex formes: Letzterer sollte für zwei Stücke dabei sein, es ergab sich aber, dass die Zusammenarbeit zu besonderer Inspiration führte. Josh wurde Teil von Nadines «Dark Family», und zwar über deren weitere künstlerische Tätigkeit, nämlich die Fotografie. Wanja Olten bildet den dritten Part des künstlerischen Prozesses.

Unsterbliche Erzählungen

Acht Geschichten sind es, die erzählt werden. Dass die Acht um 90 Grad gedreht Unendlichkeit symbolisiert, harmoniert mit dem Konzept dieses Werks gut. Das Album führt durch unzählige Geschichten und Welten. Es ist ein Album, das Düsternis verbindet mit dem Glamour der 1980er Jahre. Visuelle Einflüsse, Geruch und Erinnerung: Das alles macht Tales of Immortality zu einem vielschichtigen und faszinierenden Werk.

Impressionen einiger Geschichten

‘Hear me Breathe’ entstand aus einer zunächst rein visuellen Kollaboration, aber im Dialog entstand schliesslich das erste Stück des Albums. Nadines Liebe zur Ägyptologie bildete die Basis und den Ausgangspunkt für diesen ersten gemeinsamen Song. Inhaltlich ist das, was daraus entstand, auch mit ihrem aktuellen Fotoprojekt „TransMutations“ verbunden: Eine langjährige Begeisterung für die Friedhofsskulpturen ging aus der Faszination für Körper hervor: während sie in frühen Jahren Liebhaber und Freunde fotografierte, brachte sie 2024 beide Genres zusammen… «Eternal Sculptures» und „lebendige Menschen“.

Spricht man über ‘Windchill’, das zweite Stück des Albums, rückt eine Erinnerung an den unbewussten Besuch eines Spukhotels in den Fokus – dies wurde Nadine allerdings erst klar, als sie im Rahmen einer Gruseltour auf einmal vor ihrem eigenen Hotel stand. Die Präsenz der Verstorbenen zeigte sich bereits in der ersten Nacht in der Unterkunft – ‘Windchill’ ist die Verarbeitung dieses Ereignisses. Das starke Stück lässt die Hörer:innen das Geschehene miterleben, der düstere Synth-Pop-Song, der an Klänge aus den 1980er Jahren ebenso wie an frühe The Cure-Songs erinnert, überzeugt und bleibt in Erinnerung.

‘Funeral Dreams’ schliesslich taucht ein in ein universelles Thema, nämlich der Liebe über den Tod hinaus. Statt einer Romantisierung findet sich in diesem Stück die Verfremdung durch das Unwirkliche: Das Bild, das entsteht, ähnelt einer Szenerie, wie man sie bereits von Edgar Allan Poes The Raven kennt: Ein Zwiegespräch zwischen den nun durch den Tod getrennten Liebenden bildet die Grundlage des Stückes.

Der vierte Song ‘Hex, Blood and Tears’ beschäftigt sich an sich erneut mit zwei Liebenden, deren Wege sich jedoch getrennt haben: Verbunden sind sie aber nicht wie im vorhergehenden Stück durch eine ewige Liebe, sondern durch einen Blutschwur. Samples ergänzen Beginn und Abschluss. Das Stück erhielt sogar einen Preis, auch hier war Wanja Olten beteiligt.

Es ist das Lied, das vermutlich die grösste Veränderung erfahren hat: Nadine schrieb den Text zu ‘Apoca-Lips’ mehrfach neu und letzten Endes geht es um Passion und einen fatalen Kuss. Sphärische Elemente ergänzen den treibenden Sound. Josh sagt, dass er über die Aufmerksamkeit für dieses Stück sehr stolz sei – und sowohl er als auch Nadine schätzen die Zusammenarbeit mit weiteren Künstler:innen sehr – die Hörer:innen können hier gespannt sein auf weitere Kollaborationen, die das Gesamtkunstwerk aus Lyrics, Klang und visuellen Elementen weiter inspirieren.

Das Album wird vom Ende her eingeleitet: Das letzte Stück soll in eine Glitzerwelt der 1980er Jahre entführen – das Album befasst sich mit dem Thema der Wiedergeburt und Unsterblichkeit: Der titelgebende Song bietet den Hörer:innen einen süssen Abschluss.

Sinnlicher Genuss

Ergänzt wird dieses Gesamtkunstwerk aber auch auf einer weiteren Ebene, nämlich auf dem olfaktorischen Weg. In Krakau entdeckte Nadine im jüdischen Viertel eine Parfümschmiede – erneut führt der Spaziergang auf den Friedhof: Je nach Jahreszeit riechen die Blumen anders, die Stimmung wird dadurch beeinflusst. MO61 bietet die Möglichkeit, nach den eigenen Vorstellungen ein Parfüm zu gestalten. Nadine ergänzt: «Am Ende meiner künstlerischen Reise möchte ich alle fünf Sinne durchdeklinieren. Bis dato gibt es meine Vision in visueller, akustischer und olfaktorischer Form… an weiterem wird gearbeitet».

Gespannt sein darf man also auf eine Live-Performance dieses Projekts: Diese wird mit Sicherheit ein Erlebnis sein, das sich ins Gedächtnis einprägen dürfte, nicht nur musikalisch.

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Bandcamp

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MO61: Webseite

Fotos: Nadine Dinter

Geschrieben von: the.goth.teacher

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