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Welcher Ort eignete sich wohl besser für ein Wochenende voll Düsternis als das Château Chillon: Die Region um den Genfersee inspirierte 1816 im Jahr ohne Sommer bereits Mary Shelley zu einem der wichtigsten Werke der Schwarzen Romantik: Frankenstein. Hier also, inmitten der Mauern des Schlosses fand am 15. und 16. Mai 2026 das Post-Punk&Wine-Festival statt. Es war ein Festival, das Weindegustation mit Musik und einer ganz besonderen Kulisse vereinte.

Das Festival «Humus & Wine» bietet ein Zusammenspiel von Wein und Musik. Es findet an zwei Tagen statt jeweils und beide Tage bieten sowohl die Weindegustation als auch Konzerte. Es ist schon ein wundervolles Gefühl, im Saal Châtelain den Abend zu beginnen bei guten Weinen aus der Region. Danach lässt es sich im Innenhof gut speisen, dieses Jahr unter anderem bei einer exquisiten Auswahl an Tacos der Taqueria Don Vergas – oder bei einer kalten Spezialitätenplatte. Am zweiten Tag des Festivals konnte man dies auch hervorragend bei Sonnenschein tun.
Zum Festivalticket konnte optional ein Ticket für die Weindegustation im Salle de Châtelain gebucht werden. Vor Beginn der Konzerte war es den Besucher:innen möglich, Perlen der lokalen Weinkultur kennenzulernen und mit den Winzer:innen ins Gespräch zu kommen. Der Saal bot einige Nischen, welche direkt auf den See hinausgingen und zu einer erwartungsvoll-positiven Stimmung beitrugen. Obwohl wenigstens am ersten Tag das Wetter eher zu einem neuen Roman in der Tradition Shelleys anregte, war es schon faszinierend, ein Glas guten Weiss- oder Rotweins zu kosten und den Blick auf den See schweifen zu lassen.

Der Freitag bot noch wenig erfreuliches Wetter: Es war kalt und regnete – passendes Wetter also, um die Nacht in der Aula Magna des Schlosses zu verbringen und in die Welten der eingeladenen Bands einzutauchen. Den Abend eröffneten Sonic Jesus. Die Band, die aus Italien stammt, bot einen stimmungsvollen Auftakt. Obwohl das Publikum zunächst noch hineinfinden musste in diesen Abend, erntete die Gruppe wohlverdienten Applaus.
Den Höhepunkt fand der Abend bereits im zweiten Konzert des Abends und Black Doldrums faszinierten mit ihrer ansteckenden Energie. Insbesondere an den Drums bot sich eine grandiose Show mit einer begeisterten Konzentration und spürbarer Freude.
Den Abschluss des ersten Abends bildete die ebenfalls aus Italien stammende Band Ash Code. Das Publikum war bereits gesättigt vom vorherigen Auftritt und deutlich ruhiger. Die Stücke von Ash Code sind lyrisch von hoher Qualität und berühren. Mit den letzten Klängen an diesem ersten Abend begaben sich die Besuchenden aus dem Schloss – die Tore schlossen sich nämlich bereits kurz nach den Konzerten, an ein Verweilen war also nicht zu denken. Da aber ein Grossteil der Besucher:innen und Künstler:innen sowieso im selben Hotel übernachteten, stellte das kein Problem dar.

Der zweite Tag war ein kühler, aber sonniger Tag. Dementsprechend fanden sich die Festivalbesucher:innen bereits früh ein und plauderten entweder bei einem Glas Wein oder aber im Innenhof des Schlosses. Dort waren die natürlich mehrheitlich schwarz Gewandeten nicht vor dem ein oder anderen Seitenblick der Schlossbesucher:innen gefeit.
Der Abend begann mit dem höchst kunstvollen Auftritt von Rosa Anschütz, die eine grosse Ruhe ausstrahlte. Der Drummer ergänzte die zarte Stimme der Sängerin hervorragend.

Den ersten Höhepunkt des Abends bildete die Show von Night in Athens – die Sängerin war bereits zwei Tage zuvor in Zürich aufgetreten und hatte dort das Umbo gut gefüllt. Die Sängerin bedankte sich bei Humus & Wine, dass sie eingeladen worden war. Im Laufe des Abends zeigte sich, dass es eine hervorragende Entscheidung gewesen war, die Griechin einzuladen. Das Publikum feierte die Songs und den Auftritt. Tina Boleti begeisterte mit ihrer bescheidenen Art, ihre Stücke erzählten von Sprachlosigkeit, von Feminismus und tiefen Gefühlen.
Gemessen an den Reaktionen des Publikums waren sowohl Night in Athens wie auch Fotocrime die grossen Highlights beider Tage. Letztere Band nutzte den Auftritt dazu, über grundlegende Werte der Schwarzen Szene zu sprechen. Die starke Ansprache wurde durch einen furiosen Auftritt ergänzt, das Publikum feierte die Band, den Abend und sich selbst.

Mit viel Power beendete schliesslich ein stilistisch vollkommen anderes, aber den Abend auf eine gelungene Weise abschliessendes DJ-Set von Rebelca. Die DJ beendete kurz vor Mitternacht ihr Set und nur zögerlich verliessen schliesslich die Besucher:innen das Schloss – vielleicht auch schon mit ein wenig Vorfreude auf die kommende Ausgabe von «Post-Punk & Wine».
Geschrieben von: the.goth.teacher