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BANDVORSTELLUNG

Geboren in der Hölle: Pinhead

today22. Mai 2026 88 2 5

Hintergrund
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Bild: Christoph Eisenmenger

2023 gründet sich mit Pinhead eine Alternative-Industrial-Metal-Band, die seither mit klarer künstlerischer Handschrift auftritt. Das Quartett – Ilja John Lappin, Simon Schröder, Marc Andrejkovits und Flo Fleischer – verbindet treibende Sounds mit persönlicher Ausdruckskraft. Für Musik und Texte zeichnet sich massgeblich Ilja John Lappin verantwortlich,  der im Interview von seiner Liebe zur Musik, von bereichernder Zusammenarbeit und seinem Werdegang erzählt.

Ein wandelbarer Künstler

Ilja John Lappin ist jemand, der vielseitige Interessen verfolgt und an seine Kunst hohe Ansprüche stellt. So ist es denn weiter nicht verwunderlich, dass er in mehreren Projekten seine Ideen ausdrückt. Pinhead ist eine Spielwiese für die kreativen Ideen Iljas, das Spezifische und Kunstvolle lockt eine treue Anhängerschaft an; es ist wie bei vielen Dingen im Leben: Nur wer genau hinsieht – oder eben in diesem Fall hinhört – entdeckt die zahlreichen Ebenen der Stücke. Das gilt für die Band Pinhead ebenso wie für The Hirsch Effekt, einem Liebhaberprojekt. Als Bassgitarrist wirkt der multiinstrumentale Künstler ausserdem bei der Goth-Rock Band Mono Inc. mit.

Der musikalische Werdegang des Musikers begann im Alter von acht Jahren und mit Cello-Unterricht. Über die Freiwilligkeit dieser Stunden herrscht zwischen ihm und seinen Eltern Uneinigkeit: «Letzten Endes aber nahm ich das Cello-Spielen erneut auf und setze es gerne in meiner Musik ein.» Darüber hinaus spielt Ilja unterschiedliche Instrumente: Mit 16 Jahren entdeckte er seine Liebe zur Metal-Bassgitarre, was auch sein Schwerpunkt im Musikstudium in Hannover darstellte. Das Studium bildete ein weiteres Fundament seiner Karriere, doch Ilja erlernte Vieles autodidaktisch.

Pinheads Dämonen

Der Höllenpriester, Cenobit oder auch der Dunkle Prinz des Schmerzes – das ist der Pinhead aus der Hellraiser-Franchise. So erinnert denn auch das Logo der Band an eine Ansammlung von Nadeln. Der Name der Band leitet sich zwar einerseits ab von Clive Barkers Universum, verweist gleichzeitig aber auf den englischen Begriff des Stecknadelkopfes – was sich in etwa mit Dummkopf ins Deutsche übertragen liesse.

Dämonisch also einerseits, kunstvoll andererseits: Aus dem Kunstanspruch des Musikers entstehen vielfältige Stücke. «Ich baue gerne Welten auf und mache sie wieder kaputt. Das ist das Konzept von Pinhead.» Die Alben entführen die Hörer:innen dabei auf eine musikalische Reise: Es handelt sich nicht um Singlealben ohne Zusammenhalt, sondern um Konzeptalben mit einer Narration und einem Spannungsbogen.

Pinheads Welten prägen verschiedene Einflüsse, insbesondere Alternative Metal, Progressive Metal, Nu Metal und auch der Bereich der Genres rund um die Gothic-Gemeinschaft. Einige Namen, die insbesondere für Ilja eine Relevanz darstellen, sind Porcupine Tree, Nine Inch Nails und Between the Buried and Me. Das Horrorgenre übte darüber hinaus nicht nur auf die Namensgestaltung einen Einfluss aus.

Wenn Ilja John Lappin beginnt, eine Geschichte zu erzählen, so webt er zunächst die Musik. «Ich habe normalerweise eine Vorahnung, die schon da ist. Ich lasse auf mich zukommen, wohin die Reise mich führt.» Ilja spricht von einem Grundgefühl, das dem Anfang innewohnt. Im Laufe des Schaffensprozesses fügen sich die Stücke ineinander und bilden das Gesamtgefüge.

Am Bass entstehen die Grooves, manche Stücke am Klavier. Den noch instrumentalen Song vervollständigen schliesslich die Lyrics. Der musikalische Aspekt verändert sich in diesem Teil des Schaffensprozesses kaum noch, lediglich die Länge einer Strophe kann variieren. In jedem Stück werden schliesslich die Stärken der jeweiligen Instrumente genutzt, um den perfekten Klang zu erzeugen: «Am Ende der Entstehung eines Albums steht oft eine Erkenntnis, von der ich am Anfang nicht weiss, welche es ist.»

Schmerz und Schönheit

Eines der neusten Stücke, «Lament Box», das am 22. April 2026 erschien, bildet hierbei keine Ausnahme, sondern ergänzt die Gesamtheit des Werks um einen weiteren Diamanten. Das Stück handelt davon, dass wir in einer Welt leben, die uns eine Überfülle an allen möglichen luxuriösen Dingen bietet – volle Kühlschränke, SmartTV, die neusten iPhones, alle Filme der Welt– schlicht «voll den krassen Shit». Zu jeder Zeit ist alles verfügbar, wir springen von einem Dopaminkick zum nächsten: «Wir leben in einer unglaublich kranken Konsumgesellschaft. Die Konnektivität zur Natur fehlt aber», erläutert Ilja.

Dieser Konsum aber verbirgt nur die Leere in der eigenen Seele, denn die Menschen bleiben unglücklich in diesem Überfluss. Auch wenn konkrete Krisen vorhanden sind, beispielsweise in Deutschland, so neigt unsere Gesellschaft dennoch grundlegend dazu, sich über viele Dinge zu beschweren. Diese Krisen sind ein weiterer Ausdruck der globalen Entwicklungen. Das Stück stellt letztlich die Frage, wann es genug sei – und wann jemand mit dem glücklich ist, was er hat. Im eindrucksvollen Musikvideo ist es der Schlüssel, den die Künstlerin Thenia Afentoulidou mit sich trägt, den wir als Gesellschaft vermutlich längst verloren haben und wieder finden sollten.

«Lament Box» ist eine Vorbotin des kommenden Albums «Beauty in Pain». Das neue Album beschäftigt sich intensiv mit der Frage nach der Notwendigkeit von Schmerz im Leben des Einzelnen. Es herrscht die Vorstellung, dass das Leiden notwendig ist, um zu lernen. Ilja erklärt: «Es geht darum, dass die Schönheit des Schmerzes eine euphemistische Auffassung ist – vielleicht gibt es gar keine Schönheit im Schmerz. Die Menschen halten gerne an alten Narben fest, an Traumata, aber eigentlich brauchen wir sie gar nicht.» 

Bild: Christoph Eisenmenger

Eine Auseinandersetzung mit der heutigen Gesellschaft

Das neue Album ist auch eine Replik auf die heutige Gesellschaft und auch die Gothic-Szene. Häufig findet sich hier die Verherrlichung des Schmerzes und dessen Schönheit. Das kritisiert Pinhead im kommenden Album «Beauty in Pain», das am 13. November 2026 erscheinen wird. Das Album ist aber trotz ironisierenden Aspekten ernster geworden, als Ilja das wollte.

Unabhängig vom eigentlichen Album erläutert Ilja, wie sich die Vermittlung von Kunst in den vergangenen Jahren verändert hat: «Mehr als je zuvor sind wir abhängig von den Sozialen Medien. Und das ist einfach schade, dass es vorrangig um Marketing geht, nicht mehr um Musik.» Es ist eine Kritik, wie sie häufig geäussert wird in der heutigen Zeit – gerade bei Projekten mit so starken Lyrics führt die Oberflächlichkeit vieler sogenannt sozialer Plattformen schliesslich dazu, dass ein grundlegender Teil des Kunstverständnisses verloren geht.

Ilja erklärt, wie wichtig ihm selbst die Lyrics seien und das, was sie beschreiben. Dabei scheut er die Direktheit, welche die Poesie der Texte schwächen könnten. Ein zentraler Aspekt der Vermittlung von Musik ist die Live-Performance, sie ebenso wie die Musik etwas so Emotionales, das berühren kann und einen wichtigen Bestandteil und Grundstein von Identifikation bildet. Ein Konzert bringt Menschen zusammen, ihm wohnt Magie inne: «Die Konzerthalle ist unsere Kirche.»

Es bleibt denn auch ein erhebender und berührender Moment, einem Konzert von Pinhead beizuwohnen. Steht man im Publikum, so bildet sich das Klanggebäude mit jedem Stück mehr, die Welten werden konstant zerstört und neu gebildet, bis am Ende der Applaus in die Stille der Musik hineinwirkt und die Welten Pinheads für einen kleinen Moment weiterbestehen lässt. Und mit ihnen auch der Wunsch, weiter in sie einzutauchen, sich im sakralen Gebäude des Klanges zu verlieren.

Ein Blick nach vorne

Die Musik soll auch in Zukunft eine Konnektorin bleiben, eine gemeinsame Sprache. Pinhead wollen weitere Meilensteine erreichen – an Festivals spielen, beispielsweise am Summerbreeze, Wacken (aus nostalgischen Gründen) oder auch am Hellfest in Frankreich. Die neuen Songs wollen gefeiert werden, gemeinsam mit den Fans.

Die nächsten Stationen bilden nun die Veröffentlichung des neuen Albums im November 2026 und die Tour, die mit dieser Veröffentlichung beginnt. Fans und Neugierige können sich auf dieses nächste Kapitel freuen.

Geschrieben von: the.goth.teacher

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