play_arrow

keyboard_arrow_right

Listeners:

Top-Hörer:

skip_previous skip_next
00:00 00:00
chevron_left
  • play_arrow

    Radio Schwarze Welle Radio Schwarze Welle

BANDVORSTELLUNG

Saudade – Die Welt des Daniel Knutz

today4. März 2026 81 5

Hintergrund
share close

Read the English version

Saudade, ein Wort, das nur im Portugiesischen seine volle Wirkung zu entfalten vermag. Es bezeichnet jene tiefe, bittersüsse Emotion, die Sehnsucht, Melancholie und Nostalgie verbindet. Daniel Knutz, der brasilianische Künstler, der mit seinen Stücken die Seelen der Anhänger:innen von Darkwave und Post-Punk zu verzaubern weiss, veröffentlichte am 13. Februar 2026 seine neuste Single «Echoes in the Metro».

Der Künstler

Der Künstler kommt aus Brasilien, wo sich die ersten Spuren seiner Karriere nachverfolgen lassen. Mit der Band The Knutz begann sich während 15 Jahren die musikalische Vision zu formen, die Daniel Knutz als Sänger und Komponist seines Solo-Projekts zum Leben erweckt. «Brasilien gab mir das Feuer, Trauer und lautstarken Protest, während Deutschland mir die Kälte der Geschichte und die Kanten meines Schaffens gab.»

Daniel Knutz ist das Alter Ego des Musikers. Das Projekt ist sein Weg, einzigartige Gedanken und Geschichten zu erzählen, die eigenen und fremde Emotionen auszudrücken. So ist das andere Ich «ein Schatten, der am Ende zu einem Teil dessen wurde», was ihn heute ausmacht:

Eine einsame Gestalt schlendert durch die nächtlichen Strassen, trägt eine BoomBox, die den 80er Jahren entstammt. Echos von Liedern, die den Beobachter verfolgen, anklagen und in uns nachhallen. Echos von Liedern, die uns daran erinnern, dass es unzählige Stimmen gibt, die längst verstummt sind – die uns von den ureigensten Emotionen erzählen. Daniel Knutz ist eine Figur, die unaufhörlich für ihre Sache kämpft. Er nährt den Widerstand gegen alle Formen der Unterdrückung und erhält das Feuer dieses Ringens am Leben.

Foto: Hanka

Eine Szene, wie sie einem der Videos des Musikers entsprungen sein könnte: Bei den Musikvideos von Daniel Knutz wird klar: Hier ist jemand am Werk, der etwas von Film versteht. Der visuelle Aspekt trägt dazu bei, dass die Kunst zu einer ganzheitlicheren wird und auch das Ideal des Gemeinsamen gestärkt wird: Daniel versteht Kunst nicht als etwas Isolierbares, Musik ist in seinem Denken eng an Visuelles geknüpft. Auch auf menschlicher Ebene wünscht der Musiker sich, dass das Zusammenspiel zwischen den unterschiedlichen Künstler:innen in den Fokus rückt, denn «nur gemeinsam lässt sich die Gesellschaft verändern».

Die Inspiration

Die grösste Magie entfaltet für Daniel das Wissen darum, dass es Künstler:innen gibt, die ihre Seelen nicht verkaufen. Aber auch das Leben an sich inspiriert ihn: Die Musik gibt denen eine Stimme, die leiden, die keine Macht haben oder zum Schweigen gebracht wurden. Seine Stücke erfassen die Stürme der Geschichte, ewige Zyklen, sein eigenes Leben im Exil und eben auch die Saudade, die Sehnsucht nach dem, was nicht ist.

«Musik trägt Erinnerung in sich. Sie lässt uns ein Gefühl der Verbundenheit fühlen: Sei das in der gemeinsamen Trauer oder dem Weinen, dem gemeinsamen Kampf. Musik ermächtigt uns. Ein Stück kann Wunden öffnen, aber auch schliessen.» Daniel wünscht sich, dass in unserer Welt die Güte präsenter sein kann. Er hofft, dass er mit seinen Stücken einen Beitrag dazu leisten kann, dass seine Haltung auch fördert, dass wir nicht länger in einer Gesellschaft leben, in welcher der Mensch sich und andere wegwirft, als seien sie Gegenstände. Er hofft, dass wir einander helfen und wieder lernen, was es heisst, zusammen zu handeln und gemeinsam für etwas zu kämpfen – nicht gegeneinander.

Musikalische Inspiration findet Daniel Knutz in den 80er Jahren, Batcave und Synthpop ebenso wie Proto-Punk sind Genres, die er selbst gerne hört. Sein liebster Künstler ist Fad Gadget, dessen Song «Collapsing New People» errichtete Daniel mit seiner eigenen Version des Klassikers ein Denkmal: Entstanden ist eine eigene Version, die sich in die heutige Zeit einfügen will.

Foto: Gael Pattinaroli

Das Werden

Die Stücke Daniels sind geprägt von der tiefen antifaschistischen Haltung, die den Ursprüngen der Schwarzen Szene innewohnen. Nicht nur im Stück «Bats vs Rats» wird diese Haltung klar – die nächtliche Kraft der Fledermäuse symbolisiert den starken Zusammenhalt für die Gothic Gemeinschaft – und was wir erreichen können, wenn wir die Opposition gegenüber manch einer aktuellen Strömung wagen.

Die Stücke speisen sich aus dieser Haltung, in ihrem Zentrum stehen die Lyrics. Entsteht ein Song, so wird er aus den basalen Drums geboren, die am Ende zusammen mit den anderen Instrumenten hinführen zum Text – bis schliesslich ein neuer Song steht. Daniel Knutz steht dabei für den Ansatz, dass der Entstehungsprozess dem Label ‘handmade’ entspricht, denn von Musik über Artwork hin zu den Musikvideos macht Daniel alles selbst oder lässt Fotograf:innen Teil sein der Werke. Daniel bewahrt sich damit seine Unabhängigkeit und stellt so sicher, dass sich seine künstlerische Vision erfüllen kann.

Die Zukunft

Foto: Gael Pattinaroli

2026 können die Hörer:innen gespannt sein auf ein neues Album unter dem Cold Transmission Label, das sich mit den «ewigen Zyklen von Hoffnung, Wut und Erinnerung» auseinandersetzt. Das Album begleiten soll visuelle Kunst, Filme. Ausserdem wird Daniel Knutz in mehreren Städten und Ländern auftreten, unter anderem in Berlin und Venedig.

Die Musikszene brauche junge Künstler:innen, so sagt Daniel. Er rät jenen, die erste Schritte in der Welt der Musik unternehmen möchten, es einfach zu tun und nicht zu warten. Er erzählt davon, wie er selbst sich das Spielen von Instrumenten und das Schreiben von Musik beibrachte.

Seine tiefsten Überzeugungen will er auch jenen weitergeben, die als Musiker:innen einsteigen möchten: «Verlasst eure Komfortzone und seid beharrlich. Klopft an Türen, denn irgendwann wird eine sich öffnen. Behandelt dabei die Menschen immer mit Liebe und Respekt, unterstützt einander. Wir alle machen Fehler, aber wir sollten immer versuchen, gute Menschen zu sein.»

Echoes in the Metro“ auf Youtube

Video zu „Cemetery of the Broken Dreams

 

Geschrieben von: the.goth.teacher

Rate it