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KONZERT REVIEWS

Dark Appeal im Januar: Wenn Musik mehr ist als Show

today26. Januar 2026 14

Hintergrund
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Wenn Musik mehr ist als Show

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Am 24. Januar 2026 fand im Musikzentrum Sedel bei Luzern ein besonderer Abend für Liebhaber:innen der Genres Darkwave und Synthpop statt. Drei Konzerte, zwei DJs, ein Publikum – soweit die Zahlen: Es traten die Bands End of Transmission, Silentways und Night in Athens auf.

Ankommen

Der Veranstalter Dark Appeal lud ein. Der Veranstaltungsort, der Sedelhof, war ursprünglich Teil eines Schwesternklosters, wurde ab 1884 als Strafanstalt genutzt und in den 1980er Jahren schliesslich begründete die Interessengemeinschaft Luzerner Jazz- und Rockmusikschaffender und der Luzerner Punk-Szene die heutige Nutzung als Konzertlokal.[1]

Der Sedelhof liegt etwas ausserhalb von Luzern in Emmenbrücke und oberhalb des Rotsees. Betritt man The Club, so erinnert Vieles an die Klubs der 80er Jahre, eine fast schon familiäre Atmosphäre empfängt die Besuchenden. Nach der Türöffnung um 20 Uhr treffen allmählich die Besucher:innen der Veranstaltung ein. Sie sind aus der ganzen Schweiz und Nachbarländern angereist, um diese Nacht zu begehen.

Eintauchen

Foto: Mischa Ohl

Um 21 Uhr betritt Sven Schröder die Bühne und die ersten Klänge erfüllen den Raum. Spätestens als Jens Schubert mit dem gesanglichen Teil dazustösst, ist das Publikum bereit, tanzt und feiert zu ausgewählten Stücken aus der Geschichte von End of Transmission. Von verlorenen Kosmonauten (‘’Lost Cosmonouts’’) erzählt die Bühnenshow ebenso wie von den Dämonen der Erinnerungen (‘’Demons of Memories’’).

Foto: Mischa Ohl

Von Anfang an ist die immense Bühnenpräsenz der beiden Musiker spürbar und ein sonst eher ruhiges Schweizer Publikum gibt sich den Momenten vollkommen hin. Im Gespräch erzählt Jens ‘Schubi’ Schubert, dass es ihm am Herzen liege, dem Publikum auch wirklich etwas mitgeben zu können, sei dies die Vermittlung von klaren Haltungen oder das Schreiben von Stücken, die eine ganz persönliche Geschichte erzählen. Die Stücke berühren, begeistern. Ein langer und wohlverdienter Applaus begleitet die Musiker, die damit ihren zweiten – und hoffentlich nicht letzten – Auftritt in der Schweiz beenden.

Magische Welten

Aus dem Süden Italiens stammen Silentways. Die beiden Cousins Francesco und Nino Candia betreten mit der Sängerin Annalisa Lynch die Bühne. Es ist ihre Premiere in der Schweiz. Sanft schwebend und von geheimnisvoller Tiefe getragen, klingen die Songs sphärisch – das Publikum lauscht still, versunken in konzentrierter Ruhe. Man taucht vollends ein in diesen Abend und die magische Stimme der Sängerin entführt einen in fremde Gedankenwelten.

Foto: Mischa Ohl

Nebst einigen Songs des Albums ‘Aeon’ spielen die Silentways auch drei neue Stücke. Diese zeigten die neue Spielart der Band auf, etwas schnellere Rhythmen, ihrem schwebenden Klang dennoch treu bleibend. Die Cousins spielen seit ihrer Jugendzeit gemeinsam und dies ist spürbar in den gemeinsamen Musikwelten, die sie mit Annalisa erschaffen.

Foto: Mischa Ohl

Unausgesprochenes

Foto: Mischa Ohl

Das Finale der drei Acts bildete Tina Boleti mit ihrem Solo-Projekt Night in Athens. Die Griechin, die ihren Wohnsitz mittlerweile in London hat, tritt als Letzte auf die Bühne – und wird mit grossem und intensivem Applaus empfangen. Die Stimmung treibt bereits ihrem Höhepunkt entgegen, als die ersten Klänge von ‘’Frozen Landscapes’’ das Konzertlokal erfüllen.

Die Sängerin und Songwriterin begeistert das Publikum – ihre Stücke zeugen von der Zerrissenheit unserer Welt und auch davon, dass es Kunst ist, welche die Menschen eint. Eine mesmerisierende Darbietung ist es, dem die Zuschauer:innen beiwohnen, Schreien ob der Ungerechtigkeiten der Welt. Tanzen inmitten der Menschen – das Zukleben des Mundes beim Stück ‘’Words Unspoken’’. Am Ende bleibt ein emotionaler Abschied, das Publikum ist ergriffen.

Foto: Mischa Ohl

Epilog

Nach den Konzerten beginnt eine fulminante Aftershow-Party mit DJ Irmingott und DJ Dustform: Von Sturmcafé, Light Asylum über Ashbury Heights führt die musikalische Vielfalt zu und Camouflage. Obwohl einige nach den Konzerten bereits gehen, beginnt eine ausgelassene Party, die Tänzer:innen sind sichtlich begeistert ob dem Mix, den die beiden DJs auflegen. Es sind Klassiker, aber auch ungewohnte Stücke wie ‘’Dr. Mabuse’’ von Welle:Erdball auf den Setlists zu finden.

Ein Fazit

Dark Appeal schufen mit diesem Abend ein unvergessliches Erlebnis, die Bands und das Publikum zeigten wieder einmal auf, was es heissen kann, Teil einer Szene zu sein, in der die Menschen aufeinander Acht geben und auch die Menschen auf der Bühne nahbar sein wollen. Weil ihre Musik mehr sein soll als Musik. Gerade in Zeiten wie heute sind diese Dinge zentral.

[1] Die ganze Geschichte kann hier https://sedel.ch/geschichte nachgelesen werden.

Geschrieben von: the.goth.teacher

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