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CD REVIEWS

Bei SOFT VEIN gibt es Düsternis ‚Pressed In Glass‘

today22. Oktober 2023 145

Hintergrund
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Nein, wir sind nicht zu spät. Wirklich nicht, isch schwöär, Alder!
Wir nehmen uns bei eurem Lieblings- Düster- Radio die Freiheit, auch nach den großen Review- und News- Wellen Dinge zu veröffentlichen.
Warum? Ganz simpel: Aufgrund vorhandener Gesetzmäßigkeiten gibt es regelrechte Blasen von Artikeln zu Releases. Sobald diese geplatzt sind, herrscht Ruhe im virtuellen Blätterwald. Regelrechte Totenstille – aus den Augen, aus dem Sinn.
Hand aufs Herz: habt ihr das Album Release von SOFT VEINs ‚Pressed In Glass‚ am letzten Freitag mitbekommen?
Nein? Seht ihr, deshalb liefern wir diese Information antizyklisch nach.
Bleibt dran, denn nachfolgend werden wir Act und Album genauer unter die Lupe nehmen.

SOFT VEIN

Hinter SOFT VEIN verbirgt sich der der Kalifornier JUSTIN CHAMBERLAIN, der sich im weiten Feld des Darkwave bewegt.
Laut dem der Promo beiliegenden Info Sheet wird die Zielgruppe unter Fans von SELOFAN, PANTHER MODERN, BOY HARSHER, TWIN TRIBES und Co verortet. Als Kritiker, der sich mit Musik tiefergehend beschäftigt, steht man nach solchen Zeilen ratloser da, denn als völlig unbelesener Hörer. Viel weiter als beispielsweise SELOFAN und BOY HARSHER kann man in diesem musikalischen Zirkel kaum auseinander liegen.

 

Justin Chamberlain of SOFT VEIN
JUSTIN CHAMBERLAIN/ SOFT VEIN
(c) Justin Chamberlain

 

Das Solo- Projekt SOFT VEIN besteht erst seit 2022, Herr Chamberlain dürfte dem einen oder anderen Dark Music- Junkie aber bereits durch Live- Auftritte von HARSH SYMMETRY bekannt sein.
Er treibt hier nach eigenen Angaben seine Vorlieben für extrem kalte und düstere Musik auf die Spitze und kombiniert diese mit seinen Lebenserfahrungen. Und tatsächlich hat er sich aus all dem szeneintern vorhandenen musikalischen Material das Dunkelste rausgepickt und neu vermischt. Somit hört das geschulte Ohr da tatsächlich Zitate und Anleihen von NINE INCH NAILS, BOY HARSHER, THE HUMAN LEAGUE, TEMPERS, NITZER EBB und SELOFAN.
Was man jedoch nicht hört ist eine Kopie der vorgenannten Acts.
SOFT VEIN klingt sehr eigenständig und geradezu einzigartig. JUSTIN CHAMBERLAIN treibt Düsternis und Melancholie technisch auf die Spitze und somit ans derzeitige Ende der möglichen evolutionären Entwicklung.

SOFT VEIN ist eine komplette One Man- Show: Komposition, Lyrics, Produktion – alles aus den Händen von JUSTIN CHAMBERLAIN.
Einzig fürs finale Abmischen und Mastern tritt externe Hilfe in Form von EWAN ALASTAIR KAY (u.a. KONTRAVOID)  aufs Parkett.

 

 

Pressed In Glass

Nach drei Singles innerhalb des letzten Jahres ist nun also das Debütalbum ‚Pressed In Glass‚ via ARTOFFACT Records verfügbar. Wir lauschten ja schon länger drüber und teilen euch nachfolgend mit, ob ihr ein schlechtes Gewissen haben solltet, weil ihr diesem Projekt bisher nicht genügend Beachtung geschenkt habt.

Vorweg: ihr bekommt dieses Album nicht nur als üblichen digitalen Release und im Stream, sondern auch direkt auf einer wunderschönen Clear Vinyl und auf CD, jeweils gut bestückt mit einem Booklet. Fürs Sammlerherz gibt es auch Vinyl- Testpressungen. Über Sinn und Unsinn letzteren Angebotes mag sich das Volk gern und intensiv streiten, aber für Label und/ oder Künstler ist dies eine legitime Möglichkeit, die momentan hohen Presskosten wieder reinzuholen.

Wir starten direkt furchtbar düster mit dem coldwavigen „Flesh“, welches Anleihen bei SELOFAN und einen so derben Retro Touch hat, dass wir tatsächlich das Leiern einer Kassette im Walkman™ hören und fühlen können. Augen schließen und der Reise in die Frühen 80er folgen. Und das mit Musik, die unverkennbar von heute ist – Chapeau! Uptempo- Melancholie der Extraklasse.

Etwas ruhiger wird es dann mit „Violentia“, wobei sich das ruhig lediglich auf die Beats per Minute bezieht. Denn eigentlich bekommen wir hier einen richtigen Düster- Dancefloor- Stomper serviert.
Hier im Ruhrpott fallen mir gleich mehrere Clubs ein, in denen ich mich auf spärlich bunt beleuchteten, dafür aber stark vernebelten Tanzflächen mehr (oder) weniger elegant verrenken sehe.

 

 

Obwohl Sound und Beat bei „Empty Rooms“ anders klingen, passen vorgenannte Zeilen auch hier. Das macht die Beschreibung recht einfach, ha ha. Allerdings stört mich als Kritiker hier bereits eine Kleinigkeit, doch dazu später mehr.

„Bloodletting“ geht wieder mehr in die Richtung Darkwave/ Postpunk, ohne jedoch die industrielle und kalte Note allzu sehr zu vernachlässigen. Das ist Musik für düstere Stunden, par excellence!

Zusammenfassung

Wollt ihr weiter so halbgare Stakkato- Sätze zu jedem Song? Nein? Sehr gut, denn sowohl grob musikalisch, als auch von der Stimmung her ändert sich hier nicht viel.
Das ist gar nicht negativ im Sinne von eintönig oder langweilig zu verstehen, sondern eben als nüchterne Zusammenfassung.
Dadurch wirkt das ‚Pressed In Glass‚ sehr rund und authentisch, denn es gibt keine Clownerien und keine andersartigen Ausreißer. Man könnte es als deutlich elektronischeres Spiegelbild der unheimlich guten Trübsalbläser von PLOHO (ebenfalls auf ARTOFFACT beheimatet) betrachten.

Dieser Vergleich offenbart allerdings auch die angedeutete Schwachstelle:
Während bei PLOHO sprachliche Barrieren das inhaltliche Verständnis für die Lyrics erschweren, ist es bei SOFT VEIN die technische Abmischung.
Für die Stimmung und den Sound ist das immens wirkungsvoll, aber von den Vocals kommt nahezu nichts Verwertbares am Ohr an. Herr CHAMBERLAIN könnte da auch die Zusatzstoff- Tabelle der Mc Donalds- Speisekarte runterrattern oder die Anleitung zum Programmieren eines alten VHS- Videorecorders. Mangels eines Booklets (ja, wir haben nur das digitale Release, wie heutzutage üblich) oder Lyric Sheet können wir nur auf theoretisch erwartbare Inhalte spekulieren und uns auf irgendwo aufgeschnappte Zitate berufen. Das finde ich schon etwas schade. Dieser abstrakte Fabrikhallen- Charme in Kombination mit verständlichen Texten als Wirkkraftverstärker – das wäre das absolute Ideal!

Fazit

Ihr bekommt mit ‚Pressed In Glass‚ genau das, was ihr verdient – äh – erwartet!
Ein Konglomerat aus Coldwave, Coldcave, Darkwave, Industrial und Postpunk. Gewürzt mit einem großen Schuss Dystopie und einer Prise Retro- Feeling.
Es nimmt den Hörer mit auf eine Reise durch die menschlichen Abründe, durch Enstehen und Vergehen, soziale Wirrungen. Und glaubt uns, da gibt es eher wenig zu lachen. Perfekte Vertonung unser aller Lebensgefühl (zumindest innerhalb der Dark Community).
Wir empfehlen euch allerdings deutlich den Erwerb eines physischen Mediums, um den Texten folgen zu können. Rein akustisch geht da leider zu viel unter von dem, was SOFT VEIN uns da zu sagen hat.

Daten/ Fakten

Act:                                                    SOFT VEIN
Release:                                            Pressed In Glass
Release Date:                                  20.10.2023
Label:                                                ARTOFFACT Records
Medien:                                            digital Download, Stream, CD, Vinyl
Quellen:                                            Bandcamp (digital, hier physische Medien und mehr), alle großen Streamingplattformen, im gut sortierten Handel

Tracklist
  1. Flesh
  2. Violentia
  3. Empty Rooms
  4. Bloodletting
  5. Giveuptheghost
  6. Leash
  7. Perfect Teeth
  8. Colder

Bleibt bei SOFT VEIN immer auf dem Laufenden, indem ihr regelmäßig auf Facebook, Instagram und X (ehem. TWITTER) vorbeischaut. Medial folgen könnt ihr dem Projekt auf Bandcamp, Spotify und Youtube.

Unseren Stream und viele weitere redaktionelle Inhalte bekommt ihr auf unserer Website, aktuelle Artikel und mehr auf unserer Facebook Präsenz.

In eigener Sache

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Geschrieben von: Dany Wedel

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