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CD NEWS

„Sanctuary Rat“ – THE ARCHs neuestes Werk ist am Start

today14. September 2023 241 1

Hintergrund
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Den hier zu beschreibenden Act kennen alle Goths der ersten Dekaden ganz sicher.
Nichts desto Trotz wird der Autor dieser Zeilen ja pro geschriebenen Wortes unbezahlt und klimpert somit voller Elan auf der Tastatur seines papierlosen Schreibgedingens, um diese endlose Seite voll zu schmieren.
Wenn eine Band seit über 35 Jahren aktiv ist, kann und darf man sie schon mal als Urgesteine beschreiben. Somit lautet die Einleitung aus der Wortspielhölle so:
Die Urgesteine von THE ARCH rollen wieder und begraben dabei manch ‚Sanctuary Rat‘.
Grausam? Egal, es wird so weitergehen, versprochen. Das Wetter ist schuld, denn Sonne macht bekanntlich albern…

The Arch

Das Tolle: das allwissende Web wirft gar nicht so viel Nützliches raus. Somit machen Wikifüße, Discogs und Co meinen Job nicht gänzlich überflüssig. Kratzen wir also mal zusammen, was wir haben…

 

The Band THE ARCH auf einen klassisch düsteren Prono Foto für das Album "Sanctuary Rat"
(c) The Arch/ Dryland Rec

 

Die Band wurde Mitte 1986 im belgischen Breendonk gegründet.
Ganz offenbar ließ man auch gar nicht so viel anbrennen, denn noch im selben Jahr stand das erste Release in den Regalen der kleinen alternativen Plattenhändler.
Die Quellen gehen zwar im Detail auseinander, aber sicher ist, dass auf dieser EP namens ‚As Quiet As‘ bereits ihr Evergreen „Babsi ist tot“ das Licht der Discothekenwelt erblickte.

Der Stil war und ist irgendwo zwischen New Wave, Dark Romance und oldschool Goth Rock angesiedelt. Zwar haben THE ARCH die technische Entwicklung aktiv verfolgt, sind ihrer Linie aber weitestgehend treu geblieben.
Die elektronischen Parts klingen satter und moderner, die Beats sind fetter, vom Gesamtbild her ist es aber irgendwie noch der alte True Sound.

Ein Merkmal der Band sind große Abstände zwischen den Alben und eine fast 15jährige Schaffenspause um die Jahrtausendwende. Demgemäß steht das vierte Album seit dem Neustart 2011 und somit das siebte Studioalbum insgesamt an.

Sanctuary Rat

Nun also gibt es endlich wieder neues Futter, ‚Sanctuary Rat‘ scharrt schon gewaltig mit den Hufen.
Wir durften es bereits virtuell in den Händen halten und auf den imaginären Plattenspieler legen. Klingt doch deutlich besser, als „wir haben die MP3s schon mal gestreamt“, oder?
Wobei hier auch ein kleiner Wermutstropfen liegt: das Album wird nur auf CD und als Digital Release erscheinen. Eine Veröffentlichung auf Vinyl ist, Stand jetzt, nicht geplant.
Theoretisch weder wichtig, noch schlimm, aber bei der Zielgruppe dürfte es schon mit Bedauern aufgefasst werden.

Die Analyse der Düsternis

 

 

Eröffnet wird ‚Sanctuary Rat‘ sehr deep und elektronisch mit „Devil’s Breed“, welches völlig ohne krawallige Beats auskommt. Eine dezente Tom, ein paar Triangel- Pings, ein paar synthetische Flächen und Moog’sche Bubblesounds, die nur durch dezente Gitarrenriffs begleitet werden. Der Song wird vollständig von den Vocals getragen und hält den Hörer in einer Art leerem Raum zwischen Licht und Düsternis gefangen. Wirklich ein ganz großartiges Stück.
Weiter geht es mit „9.81“, welches deutlich fluffiger und treibender daherkommt. Von Happy Disco oder kreischendem New Wave früher Jahre sind wir aber noch ganz weit entfernt. Man meint zwar bisweilen ein paar poppige Zitate zu vernehmen, es bleibt in Gänze aber doch Spurtreu. „Clear Fields“ folgt da mehr dem Ruf klassischem Goth Rocks. Und doch gibt es auch hier eine fast schon zuckersüße Hook. Dem folgt auch „Deathwalls“, dessen Bassline für unser Dafürhalten jedoch ruhig noch etwas böser und brachialer hätte ausfallen dürfen. Etwas mehr Druck wäre hier durchaus zuträglich gewesen. Das ist jetzt aber zugegeben Jammern auf hohem Niveau.

 

Der Titeltrack „Sanctuary Rat“ erhöht wieder etwas das Tempo bringt 90s- Feeling aufs Tableau. „Laments Of An Icarus“ ähnelt etwas dem Opener, hat aber nen klassisch- straighten 909- Drum unterlegt. Aber auch hier wird der Song hauptsächlich durch die Vocals getragen und geformt. Und auch hier passt alles perfekt, der Sound ist rund und mitreißend. Man kann als Hörer in die erzählte Story eintauchen, ohne von allzuviel Klimbim abgelenkt zu werden.
Mit „Lines“ wird es richtig düster und getragen, fast schon hypnotisch. Diesen Weg gehen THE ARCH auch bei „The Peace“ weiter, hier jedoch deutlich Gitarrenorientierter, dafür ohne Beats.
Die Nummer funktioniert garantiert auch mit einem nackten Piano oder einem Orchester.
„Gorilla Kiss“ ist ein Song für die Diskothek. Deep und dark, aber mit dem nötigen Drive, um ein paar Figuren auf die dunklen Dancefloors zu zaubern. Mit „The Bullet“ werden wir mit einer ebenso beklemmenden Atmosphäre entlassen, wie sie schon am Empfang vorherrschte.

Fazit

Nun, für die Abifete oder den Junggesellenabschied ist das mal gar nichts. Hier sind wir gefangen in tiefster Melancholie. Ab und an scheint ein kleiner Lichtstreif den Himmel zu erhellen, aber das sind wirklich nur kürzeste Momente. Die Gesamtstimmung ist schon schwer dystopisch.
Uns fehlt da bisweilen wenigstens ein kleiner Ausbruch. Andererseits ist hier nichts, was oberflächlich, flippig und/oder mainstreamorientiert daher kommt. Das ist Gothic pur und dürfte viele von den Älteren der Szene ein verzücktes Zucken in die hängenden Mundwinkel zaubern.
Wir sind zufrieden mit diesem Werk und können es euch bedenkenlos empfehlen.
Auch empfehlen wir euch, das Ganze live bei den nächsten Events zu begutachten.

Daten/ Fakten

Act:                           The Arch
Release:                   Sanctuary Rat
Release Date:         22.09.2023
Label:                       Dryland Records
Medien:                   CD, Digital, Stream
Quellen:                   überall, wo es CDs gibt, sowie auf den großen Portalen

Tracklist
  1. Devil’s Breed
  2. 9.81
  3. Clear Fields
  4. Deathwalls
  5. Sanctuary Rat
  6. Laments Of An Icarus
  7. Lines
  8. The Peace
  9. Gorilla Kiss
  10. The Bullet

Bleibt THE ARCH dicht auf den Fersen via Facebook und Bandcamp.

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Geschrieben von: Dany Wedel

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