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19 Jahre CHROM: Eine Reise
Spellbound organisierte am Freitag dem Dreizehnten eine Party, die mit zwei Live-Acts aufwartete. Headliner des Abends war CHROM. Radio Schwarze Welle traf Christian Marquis vor seinem atmosphärisch dichten Konzert zum Interview.
Das Projekt CHROM, das den Genres Elektro, Synthpop und EBM zugeordnet werden kann, wurde vor 19 Jahren von Christian Marquis und Thomas Winters erschaffen, es entstanden im Laufe der Jahre Alben wie ‘Electroscope’ und ‘Peak & Decay’ sowie ikonische Singles wie «Regret & Testify». Seit 2022 führt Christian Marquis die Band alleine und veröffentlichte 2025 die melancholisch aufgeladene Single ‘Beyond the Trees’.
In den vielen Jahren gab es für Christian einige Highlights, so beispielsweise Auftritte in Mexiko oder auch auf den vielen Festivals. Von Mexiko erzählt er, gebe es Konzertbesucher:innen, die ein ganzes Jahr auf Tickets sparen, nur um solche Konzerte besuchen zu können. Für ihn als Kunstschaffenden sei das etwas Besonderes, wenn einer Darbietung so viel Bedeutung beigemessen werde. Es erfülle ihn mit Dankbarkeit, wenn er sehe, was seine Musik bewirken könne – auch wenn dies durchaus bedeuten kann, für mehrere Stunden am Stück am Autogrammtisch zu sitzen. Dazu kommt, dass die Atmosphäre der mexikanischen Veranstaltungsorte intensiver sei, Feuerelemente ebenso wie von der Decke baumelnde Käfige seien Teil der Lokale, insgesamt sei eine Ähnlichkeit mit The Titty Twister aus ‘From Dusk till Dawn’ nicht zu verleugnen.
Im Zentrum des Schaffens standen immer die Live-Shows sowohl an Festivals wie dem M’era Luna als auch in den zahlreichen Klubs Deutschlands, wo sich das Herz der Schwarzen Szene befindet, beispielsweise in der Subkultur in Hannover. Gerade kleinere Veranstaltungsstätten reizen Christian besonders, denn sie ermöglichen den direkten Kontakt mit den Fans. Gerade, wenn sich Emotionen im Publikum äussern, wenn die Musik berührt, dann sind das jene Momente, die Christian deutlich in Erinnerung bleiben.
Von einem Ereignis, das dem Sänger in Erinnerung geblieben ist, erzählt er: Sein Bestreben ist, dass seine Musik nicht nur tanzbar und klubtauglich ist, sondern dass sie auch im Gegenüber Emotionen weckt. Dies beginnt bei den Menschen, die seine neuen Stücke hören, wie beispielsweise seiner Ehefrau, und zieht sich weiter zu jenen Menschen, die sichtbar emotional berührt wurden an seinen Konzerten.
Christian erklärt, dass die weltpolitische Lage in den vergangenen Jahren auch einen Einfluss auf sein Schaffen hatte. So sind Konzerte in vielen Ländern heute nicht mehr oder nur schwierig umsetzbar. Auch das Klubleben hat sich verändert und er ist dankbar, dass der Vorverkauf bei seinen Konzerten bisher gut verlief.
Gerade in einer Zeit, in der Stücke nur für wenige Tage durch die Sozialen Medien gefördert und dann in Vergessenheit zu geraten drohen, ist dies keine Selbstverständlichkeit mehr. Die letzten Jahre förderten, auch durch generative KI, eine vermehrte Seelenlosigkeit der Musik zu Tage. All diese Veränderungen führen dazu, dass die Musik und ihre Künstler:innen gefordert sind, die Dinge neu zu denken, insbesondere aber die Klubkultur.

Eine längere Zeit verstrich zwischen den letzten beiden Produktionen. Die Zeit zwischen «Peak & Decay» und den Singles ‘Paralysed’ und ‘Agony’ war eine Zeit des Aufbruchs und des Abschieds. Die Band richtete sich einerseits neu aus, andererseits prägten persönliche Verluste die acht Jahre. Fast schon eine Vorausahnung bildet hier das Stück ‘Farewell Letter’. Die Rückkehr erfolgte mit drei Singles, das Stück ‘Beyond the Trees’ ist dabei eine Geschichte des Wiedersehens: «I still believe that you and me, we’ll meet again beyond the trees.» Die Single wurde, wie schon die Werke zuvor, bei Out of Line veröffentlicht.
Wenn Christian Musik kreiert, so ist ihm wichtig, dass eine Melodie beim ersten Hören bereits eingängig ist. So beginnt er damit, den instrumentalen Teil zu gestalten. Die Texte entstehen erst danach, aus dem Rhythmus heraus entstehen Satzfragmente, die Christian letztlich zu einem Stück zusammenfügt. Dass Christian nicht jedes Jahr ein Album veröffentlicht, liegt daran, dass die Songs auch reifen sollen, ehe sie vollendet erscheinen. In Kombination mit dem Artwork von Userdx entstehen so die Werke von CHROM.
Christian erläutert, welche Rollen Musik für die Hörer:innen spielen kann. «Sie kann alles. Sie heilt, verbindet, unterhält. Letztlich ist Musik eine universelle Sprache, die uns Menschen vereinen kann.» Diese ist in der heutigen Zeit auch notwendig, denn Gemeinschaft wird erst möglich, wenn auch diejenigen auf der Bühne sich in jenen vor der Bühne gespiegelt sehen. Nur dadurch kann die Musik auch einen.
Musik inspiriert die Menschen. So sieht auch Christian in seinem Schaffen die Verbindungen zu den Musikschaffenden, die ihn selbst beeindruckten und seinen Weg als Musiker prägten. Die Musik der 1990er Jahre waren Teil seiner Entwicklung: Seine musikalische Biografie führte Christian von der Popmusik hin zu Nu Metal und für ihn zentralen Bands wie Life of Agony. Nach seinen Idolen befragt, nennt Christian George Michael, der insbesondere stimmlich Vorbild für die eigene Musik wurde. Heute hört der Sänger und Songwriter selbst nur selten Musik.

«Macht man Musik, wagt es, ein Projekt zu beginnen, so sollte man immer auch Musik machen, die einem selbst auch gefällt.» Es sei wichtig, sich selbst nicht zu ernst zu nehmen und Spass zu haben. Auch wenn der Spass beispielsweise beim Exportieren von Tonspuren zwecks Zusammenstellung eines Songs etwas leidet, so muss die Gesamtheit stimmen.
Als CHROM am 13. Februar die Bühne betreten und Christian Marquis mit seinem Live-Keyboarder Alexander Suttmer die ersten Klänge ihres Konzerts anstimmen, ist diese Freude sofort spürbar und sichtbar wird, dass Musik Menschen für diese Momente des Konzertes tatsächlich verbinden kann, dass das Tanzen und Hören eben doch für Momente erlaubt, in Gedanken einzutauchen. Christian meint dazu: «Eine Melodie ist in der Lage, uns in verschiedene Zeiten zu transportieren. Ein Stück kann Gerüche, Gefühle, Bilder heraufbeschwören, die wir längst vergessen glaubten. Auf diese Weise gibt uns Musik Erinnerungen zurück – und schafft gleichzeitig neue.»
Wer sich von der Musik von CHROM verzaubern lassen möchte, findet im Terminkalender einige Möglichkeiten: 2026 warten auf die Band nämlich einige Konzerte und Festivals, so beispielsweise der Out of Line Weekender oder auch das Amphi Festival im Sommer. Das Ende der aktuellen Live-Daten bildet ein Auftritt in der Rockfabrik am 24. Oktober 2026. Ausserdem dürfen die Fans sich auf ein neues Album freuen, das vermutlich gegen Ende des Jahres veröffentlicht werden wird. Doch erst einmal geht es mit drei Shows in Richtung Norden mit Shows in Kopenhagen, Dresden und Kiel.
Geschrieben von: the.goth.teacher
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