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Seit 2016 bezaubern Corlyx ihr Publikum mit ihrer ureigenen Variation aus Darkwave, Post Punk und Gothic Rock. Caitlin Stokes ist Sängerin und Songwriterin, ihr Ehemann Brandon Ashley ist Gitarrist und Produzent der Band, als weitere Bandmitglieder sind seit einiger Zeit nun auch Davide Rocco am Bass und Flow Toulman an den Drums mit von der Partie. Die Band begleitete Touren von Szenegrössen wie Blutengel, Twin Tribes oder Unzucht, auf vielen Festivals ziehen sie die Zuschauer:innen in ihren Bann. 2025 gaben sie ihr Debüt auf dem Wave-Gotik-Treffen und auf dem M’era Luna, im Herbst eröffneten sie auf dem grössten Schweizer Gothic-Festival, dem Schwarzen Ball in Zürich, die Hauptbühne.
Reist man zurück zu den Ursprüngen, so ist es ein weiter Weg: Der Name ‘Corlyx’ entstammt einem Traum Caitlins, er erinnert an den lateinischen Begriff für Raben, corvus corax, und zeigt auf, dass es fast ein wenig die Bestimmung der charismatischen Caitlin war, sich auf den Pfad der Kunst zu begeben.
Der Erfolg der Band gründet in einem behutsamen, fast organischen Wachsen. Jeder Schritt ergab sich aus dem vorangehenden, und auf diesem Weg sammelte Caitlin zahlreiche Etappen, an die sie sich mit Wärme erinnert. Wie sie selbst betont, gab es in der Geschichte von Corlyx nie den einen entscheidenden Moment – vielmehr wuchs die Band mit ihrer eigenen Geschichte. Die Fangemeinde dehnte sich stetig aus und hält der Gruppe bis heute unverrückbar die Treue. So entstand im Laufe der Zeit eine Gemeinschaft von bemerkenswerter Harmonie – fast wie eine grosse Familie. Unterstützung erfuhr die Band dabei nicht nur von ihren Fans, sondern ebenso von Veranstalter:innen, die an das Projekt glaubten und es mittrugen.
Frühe Stücke der Band lassen sich dem Genre des 90er Industrials zuordnen oder auch dem Bereich Dark Pop. Seither hat sich Vieles verändert. Caitlin wandte sich von den ursprünglichen Genres ab, da sie sich auf diesem Terrain wenig zu Hause fühlte, ihr der Umgang der Menschen nicht behagte. Im Herzen des Gothic Rocks und Post-Punks aber konnte die Künstlerin ankommen.

Für die Band stellte das Jahr 2025 ein grosses Jahr dar: Dark Malta, Wave-Gotik-Treffen, M’era Luna, Schwarzer Ball und zahlreiche Konzerte. Corlyx spielten vor grossem Publikum und verloren dennoch ihre Freude an der Kunst nie. Caitlin erklärt, dass dieses Jahr fantastisch gewesen sei. Das ist besonders der Tatsache geschuldet, dass Caitlin und Brandon als Ehepartner nicht nur im Beruflichen zusammenhalten, sondern dass die Corlyx-Familie auch im Privaten eine Einheit bildet. Das war denn auch notwendig, denn in diesem Jahr wurde die Wohnung des Paares in Brighton überflutet und ein Umzug nach Italien erfolgte. Ein einschneidendes Erlebnis stellte der Tod der Mutter der Sängerin dar – Brandon unterstützte Caitlin in dieser Zeit enorm.
Ein besonderer und erinnerungswürdiger Moment ereignete sich beim Auftritt Corlyx’ am M’era Luna dar, wo Dylan Smith für einen Song die Bühne mit der Band teilte. Der Gitarrist, der zuvor bereits mit The Sisters of Mercy und Die Krupps spielte, hatte die Band an einem Festival in den Niederlanden kennengelernt. Durch den Gast erhielt dieser gemeinsame Auftritt eine eigene Note.
Ein prägender Augenblick des Jahres 2025 war auch die Publikation des Albums «Purple Pain», das mit starken Stücken wie ‘The Echo’ oder ‘Death is the Beginning’ aufwartet, welche eine grosse künstlerische Breite aufzeigen. Mit einem eindrücklichen und persönlichen Artwork überzeugt das Album. Auch beinhaltet das Album Songs in Zusammenarbeit mit Blutengel und Suzi Sabotage. Neun Monate nach dem Album publizierte Corlyx gemeinsam mit The Spoiled zudem die Single ‘Ravenous’.

Caitlin versteht ihre Musik als Mittel, Menschen zu erreichen – nicht nur emotional, sondern auch im Denken. Sie beschreibt sich selbst als einen „seltsamen“ Menschen und betont, dass ihre Kunst sich bewusst gegen Systeme wendet: gegen Konsum, gegen Regierungen, gegen Egoismus. Ihr zentrales Anliegen ist die Freiheit – die Freiheit des Einzelnen wie auch die Sicherheit jener, die an den Rand gedrängt werden. Ihre Lieder sollen Räume öffnen, in denen sich besonders marginalisierte Stimmen gehört und geschützt fühlen dürfen.
Caitlin sagt auch, dass sie die aktuellen Zeitgeschehnisse mit Sorge betrachtet und dass sie sich ein Utopia wünscht, in dem die Menschen nicht mehr ständig gegeneinander ankämpfen, sich zwischen zwei Übeln entscheiden müssen. Ihr Wunsch wäre es, dass alle Menschen Zugang zu medizinischer Versorgung und zu genügend Lebensmitteln hätten. Gleichermassen hofft Caitlin, dass jede:r versucht, sein Bestes zu geben.
Kritik übt die Sängerin hier insbesondere an den Algorithmen, welche uns einschränken und dadurch verhindern, dass wir unser Bestes geben können. Gleichermassen ist es relevant, dass beispielsweise die Sozialen Medien es ermöglichen, einfach in Kontakt zu treten – eben auch hin zum Guten. Es gilt aber nun, so Caitlin, diejenigen Kräfte zu schwächen, die unsere Welt entzweit haben möchten: «Tatsächlich mag ich es sehr, wenn Menschen über Kampfgeist verfügen und demonstrieren gehen, sich nicht einfach geschlagen geben. Ich schreibe viel über die aktuellen Entwicklungen, aber ich verwende meist Analogien, denn ich will, dass mein Publikum selbst die Musik deutet. Selbst bin ich keine Kämpferin, sondern ich bin das Licht und die Liebe, die ich in der Welt sehen will. Ich betrachte es als mein Schicksal.»
Ganz klar stellt Caitlin sich aber gegen jede Form von Kategorisierungen. Da sich Sprache ständig im Wandel befinde, sind Labels etwas, das lediglich einschränkt. Das Einzige, was zählt, sind die grundlegenden Rechte, die jeder Mensch haben sollte. Diese Werte finden alle zusammen in der Kunst von Corlyx.
«Wenn ich einen Song kreiere, dann erschaffe ich Frequenzen. Wenn man etwas von Frequenzen versteht, so weiss man, dass sie für immer bestehen bleiben.» Caitlin versteht Musik als universell. Kunst ist daher zeitlos und kann in verschiedenen Realitäten existieren. So erklärt Caitlin, dass die Songs immer schon in ihr Bestand hatten und nur gefunden werden müssen.
Fehlt der Musik ihre Seele, so entsteht Musik, die von Künstlicher Intelligenz geschrieben wurde. Caitlin zieht hier klar eine Grenze zwischen Marketingzwecken und Kunst. Ein immenses Problem stellen Urheberrechtsprobleme dar, wenn es um den Upload von Musik geht. Die Sängerin erklärt, dass Künstler etwas kreieren sollten – selbst der Prozess des Kochens stellt eine Form der Kunst dar. Im Kern der Definition von Kunst steht die Kreation, und das ist eine Fertigkeit, die KI uns entziehe. Wir müssten lernen, sie zu bewahren.
Caitlin erzählt, dass sie viele Projekte habe, die sie im Kopf habe. Nach einigen Jahren in Hollywood zog Caitlin es vor, die für sie wenig inspirierende Welt zu verlassen – vielmehr überlegt sie sich, dem Schreiben oder auch Skulpturen zu widmen. Im Zentrum ihres Schaffens aber bleibt die Musik – und die visuelle Welt, die sie daraus formt. Die Videos zu ihren Songs produziert Caitlin vollständig selbst, wodurch Klang und Bild in einer gemeinsamen künstlerischen Sprache verschmelzen. So hat sie auch für Lord of the Lost ein Video produziert (‘Dead End’). Die beiden Stile sind unterschiedlich und Caitlin stellt fest, dass es immer wichtig ist, sich selbst treu zu sein und seinen Stil zu bewahren, auch wenn die stilistischen Einflüsse anderer Bands einen guten Impuls geben können. Dies war beispielsweise auch im Fall des Musikvideos zu ‘White Wolf’ der Fall.
Caitlin ist in den Sozialen Medien besonders aktiv. Sie setzt sich ein für andere und schreibt häufig über die Gothic Community. Sie betont, dass sie wenig Hass begegnet, da gerade die Schwarze Szene ein positives Umfeld biete. Ausserdem sind für Caitlin die Sozialen Medien relevant, um mit den Menschen in Kontakt bleiben zu können, gerade wenn man weit auseinanderlebt: «Manche Menschen habe ich noch nie im richtigen Leben getroffen, aber ich betrachte sie als meine Freunde. Wenn ich am Merchstand stehe, dann will ich die Menschen wirklich treffen und mit ihnen sprechen.»
Der Einstieg in die Musikbranche bildet die erste Hürde. Caitlin erklärt, dass es schwierig ist einzusteigen. Hat man sich auf den Pfad begeben, so realisiert man, dass es noch schwieriger ist, als man ursprünglich angenommen hatte. Es ist ein ständiges Auf und Ab – die Menschen verstehen oft nicht, dass die Musikbranche eine riesige Achterbahn ist. Nur wer beharrlich bleibt, wird irgendwann an einen Punkt kommen, an dem sich die Musik etabliert hat, auch wenn nie der eine virale Moment eintrat. Es steckt viel Arbeit dahinter.

Die Band wird in diesem Jahr am Stella Nomine auftreten. Ausserdem arbeiten Corlyx an neuen Songs. Das Album «Purple Pain» erschien am 14. Februar 2025 beim Label Out of Line.
Geschrieben von: the.goth.teacher
Bandvorstellung Corlyx Dark Pop Dark Wave Female Fronted Band Gothic Rock Italien Post Punk uk