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Seit 1998 gibt es die Schweizer Band METALLSPÜRHUNDE. Ihr Œuvre umfasst , drei Singles, vier EPs und fünf Alben – die Stücke öffnen ein weites Feld an Themen, pointiert und kritisch untersuchen aktuell Marion Altwegg und Michel Frasse unsere Gesellschaft. Die Band, deren Name sich von den Minensuchhunden des Vietnamkrieges ableitet, lässt sich musikalisch im Bereich des Synth Rocks einordnen. Ein Nebenprojekt namens DAS WAR KRACH erschien 2013. Marion Altwegg und Michel Frasse trafen Radio Schwarze Welle am 13. Dezember 2025 vor ihrem Konzert am Let your Darkness Out-Festival in Aarburg.

Foto: Natalie Walder
1. Ihr seid mit Metallspürhunde nach langer Zeit wieder auf der Bühne. Wie fühlt sich das an, im Rahmen dieses kleinen Festivals wieder aufzutreten?
Unser letzter Auftritt war am Wave-Gotik-Treffen 2022. Trotz der längeren Abwesenheit von der Bühne fühlt es sich fast ein wenig wie ein Zurückkehren ins Vertraute an.
2. Was ist die Quintessenz der Band für euch, lässt sich das in einem Satz ausdrücken?
Marion Altwegg: Das ist schwierig, vielleicht liesse sich unsere Musik simpel umschreiben als «Tanzmusik mit Anspruch», aber das würde unserer Band nicht gerecht: Was wir tun, ist sehr vielschichtig.
Michel Frasse: Seit gut dreissig Jahren mache ich Musik, zunächst im Keller, später dann eben auch im grösseren Rahmen. Es ist fast ein wenig wie «unser Baby»: Es ist aber auch eines, das nie richtig erwachsen werden will. Metallspürhunde ist für mich mehr als ein Projekt, es hat unser Leben in Richtungen gelenkt, die wir vielleicht nie eingeschlagen hätten.
Marion Altwegg: Das Spannende an der Musik, an der Bühne ist, dass ich mich nicht in einer bestimmten vorgegebenen Rolle bewegen muss. Die Musik ist ein altersfreier Raum, in dieser Band kann ich alles sein, ich kann Mann und Frau gleichzeitig sein.
3. In der Musikbranche seid ihr bereits seit über 26 Jahren unterwegs und habt zahlreiche Entwicklungen durchlaufen. Was hat euch am stärksten geprägt als Band?
Als wir anfingen, waren wir bei Bruno Kramms Label Danse Macabre dabei, das war in den Nullerjahren. Die Zusammenarbeit hat uns geprägt und wir konnten von der Erfahrung des Labels profitieren.
Ein Ereignis, das uns wirklich stark prägte, war der erste Auftritt am WGT, auf der Parkbühne. Der Platz war voller Menschen und wir bauten im laufenden Betrieb die Bühne um, nachdem die Band vor uns zu Ende gespielt hatte. Während des Umbaus sah ich (Anm. d. Redaktion: Marion Altwegg) aus dem Augenwinkel, wie viele Menschen dort warteten – und auf einmal realisierte ich, dass diese Menschen auf uns warteten. Richtig klar wurde mir das aber erst, als ich im Publikum jemanden sah, der eine Schweizer Fahne hochhielt. Das berührte uns damals.
4. Ihr habt in eurer Bandgeschichte mit zahlreichen Musiker*innen zusammengearbeitet, darunter auch mit Bruno Kramm. Welche Inspiration zieht ihr aus dieser Zusammenarbeit?
Am Anfang half uns beispielsweise Bruno Kramm durch seine Erfahrung und bei der Vernetzung innerhalb der Schwarzen Szene sehr stark. Wir konnten von ihm auch lernen, wie jemand mit so viel Erfahrung arbeitet. Das motivierte uns, mehr zu machen, innere Grenzen zu überwinden. Uns persönlich hat das als Musiker enorm weitergeführt.
5. An welche Ereignisse in eurer Bandhistorie erinnert ihr euch besonders?
Wir waren vor sechs Jahren für zwei Shows in Russland – und es war unser erstes und letztes Mal in diesem Land. Wir haben dort tolle Menschen kennengelernt, die Liebe zur Musik hat uns verbunden. Es waren bereits weitere Shows geplant, aber dann kam Corona, und dann der Krieg. Die meisten Leute waren hinter vorgehaltener Hand nicht einverstanden mit der politischen Situation, und es tut uns in der Seele weh, wenn wir heute an sie denken.
6. Eure Texte sind stark gesellschaftskritisch, oftmals zynisch. Welche Wirkung hat dies bei eurem Publikum, sei das live oder via schriftlichen Austausch?
Bei den meisten Leuten kommt dieser Ansatz gut an. Wir freuen uns immer über den Austausch und wenn die Inhalte unserer Texte bei den Hörer*innen auch etwas bewirken können, wenn sie sich mit den Texten auseinandersetzen. Interessanterweise sind das oft auch Menschen, die nicht eigentlich in unserem Genre oder der Schwarzen Szene unterwegs sind.
7. Gerade von der Schwarzen Szene wird häufig gesagt, sie sei apolitisch und von fehlender Haltung gegenüber aktuellen Geschehnissen. Wie steht ihr selbst zu dieser Aussage? Kann man sich eine apolitische «Haltung» heute noch leisten?
Es ist heute eigentlich nicht mehr möglich, keine Haltung zu haben oder zu vertreten. Man muss zu seinen Überzeugungen stehen, Grenzen aufzeigen. Diskurs ist zentral, aber der Hass hat sich in unserer Zeit in einem Mass hochgeschaukelt, dass unser Ziel unbedingt sein muss, diesen aufzuhalten. Natürlich darf es auch Acts geben, die «harmloser» sind und die Unterhaltung ins Zentrum stellen. Erstaunt waren wir bei unserem letzten Auftritt am WGT, als Besucher uns berichteten, wir wären die einzige Band gewesen, die Haltung gezeigt hatte – damals mit dem Stück “Kalaschnikow-Liebe“ inkl. kritischer Visuals.
8. Musik verbindet, heilt, beruhigt…, was kann Musik?
Musik ist etwas Magisches. Sie kann beispielsweise bei einer dementen Person bewirken, dass sie sich wieder erinnert und mitsingt. Das kann nur Musik.
9. Ihr seid in den kommenden Wochen und Monaten an mehreren Veranstaltungen als DJs unterwegs – wie sieht die Zukunft der Metallspürhunde aus?
Das DJ-Ding haben wir schon immer gerne nebenher gemacht, aber künftig wollen wir auch mit der Band wieder aktiver werden. Aktuell sind wir zu zweit, wodurch wir sehr flexibel sind. Wir wollen Neues wagen, haben kürzlich auch Geld in ein neues Studio investiert. Wir haben Lust weiterzumachen.
10. Was würdet ihr einer Person mit auf ihren Weg geben, die gerne Musiker*in werden möchte?
Sie soll es unbedingt wagen – aber nicht mit dem Anspruch, den eigenen Lebensunterhalt damit zu verdienen. Wichtig ist, niemandem nachzueifern, sondern etwas Eigenes zu erschaffen. Trends wandeln sich, aber man muss seinem eigenen Instinkt folgen können. Es braucht Biss, Rückschläge muss man hinnehmen können – ebenso wie gute Ratschläge anzunehmen. Zentral ist auch, dass sich mehr Frauen wagen, in die Musikbranche einzusteigen, sie sollen den Mut fassen, ihren Raum einzufordern.

Foto: Natalie Walder
Geschrieben von: the.goth.teacher
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