{"id":13290,"date":"2026-06-23T18:30:13","date_gmt":"2026-06-23T16:30:13","guid":{"rendered":"https:\/\/schwarze-welle.com\/?p=13290"},"modified":"2026-06-23T05:57:28","modified_gmt":"2026-06-23T03:57:28","slug":"klanggespraeche-rue-oberkampf-eiszeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/schwarze-welle.com\/?p=13290","title":{"rendered":"Klanggespr\u00e4che: Rue Oberkampf: &#8218;Eiszeit&#8216;"},"content":{"rendered":"<p style=\"font-weight: 400;\"><a href=\"https:\/\/www.instagram.com\/rueoberkampf.band\/?hl=de\">Rue Oberkampf<\/a> begleiten den <a href=\"https:\/\/rueoberkampf.bandcamp.com\/album\/the-singles-2018-2026\">Pre-Sale von \u00abThe Singles 2018-2026\u00bb<\/a> mit der ersten von zwei angek\u00fcndigten neuen Singles. Diese erste Single tr\u00e4gt den Titel \u2018Eiszeit\u2019. F\u00fcr das angek\u00fcndigte Album verantwortlich zeichnen sich Julia de Jouy und Oliver Maier. Bei Mixing und Mastering sind bekannte Namen wie Eric Van Wonterghem (<a href=\"https:\/\/absolutebodycontrol.bandcamp.com\">Absolute Body Control<\/a>) und Geistha (<a href=\"https:\/\/ohmadonna.bandcamp.com\">Oh Madonna<\/a>) zu finden. Die erste Single weckt auf jeden Fall die Vorfreude auf das Kommende.<\/p>\n<h3 style=\"font-weight: 400;\"><strong>Ein wenig Nostalgie<\/strong><\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wir befinden uns mitten im <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Eiszeitalter\">K\u00e4nozonischen Eiszeitalter<\/a>, und zwar seit rund 34 Millionen Jahren. Eine Eiszeit umfasst n\u00e4mlich nicht nur die Kaltzeiten, sondern eben auch die Interglaziale, wie die Warmzeiten in der Fachterminologie genannt werden. Rue Oberkampf aber besch\u00e4ftigen sich nicht mit einem so langen Zeitalter, sondern sie referenzieren auf die 1990er Jahre, wenn sie im Song konstatieren: \u00abDie Neunziger sind vorbei.\u00bb.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Mit ihrer Single benennen Julia und Oliver eine Problematik, die nicht nur heute in der Schwarzen Szene debattiert wird, sondern auch schon im Damals. Die Szene findet ihre Wurzeln im Punk der 1980er Jahre, ist geboren aus dem Widerstand gegen\u00fcber gesellschaftlicher Enge und in Verbundenheit mit den Schw\u00e4cheren. In den 90er Jahren wird nun aber jene Ver\u00e4nderung angestossen, die zur heutigen Schwarzen Gemeinschaft f\u00fchrte.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Mit dem Entstehen vielleicht auch des Wave-Gotik-Treffens 1992 initiiert die Szene eine Ver\u00e4nderung: Die Vernetzung wird besser, mit dem Aufkommen diverser Sozialer Medien wie <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Myspace\">MySpace<\/a>, Facebook und nun Instagram wird es m\u00f6glich, die kleinen und oftmals regional verankerten Gruppen zu einer weltweiten Gemeinschaft zu verbinden \u2013 doch das kommt auch mit einem Preis: \u00abSie sagen, besser wird es nicht.\u00bb<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Es erfolgt eine \u00d6ffnung, musikalische Liebschaften mit anderen Subkulturen, manchmal auch nur eine kurze Aff\u00e4re: Future Pop, Harsh Electro, Dark Techno bis hin zu Neuer Deutscher H\u00e4rte. In all dem erwuchs eine Diskrepanz und Spaltung, Tradition versus Hedonismus: neue und innovativere Formen wie die <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Cyber_(Jugendkultur)\">Cyber Electro Goths<\/a> wurden kritisch begutachtet und viele sehnten sich nach einer fr\u00fcheren Zeit.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das St\u00fcck von Rue Oberkampf legt den Finger in diese Wunde: \u00abWas mal war, wird niemals sein.\u00bb Die Erinnerungen n\u00e4mlich an das Zuvor sind vielleicht sehr tr\u00fcgerisch: Was, wenn das, was angeblich war, so nie existiert hatte? In unserer Erinnerung ist die Welt schwarz und sch\u00f6n, aber der Weg f\u00fchrt uns in die Zukunft, auch wenn Nostalgie uns in die Vergangenheit versetzt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Vielerorts wird der Status Quo unserer Szene als sterbend bezeichnet, der im Rahmen der Klimaforschung 1837 gepr\u00e4gte Begriff des Weltwinters tr\u00e4fe wohl f\u00fcr viele zu. Doch \u00fcbt das St\u00fcck doch gerade daran Kritik: Musik, Kleidungsstile und die Art, wie wir feiern, haben sich gewandelt \u2013 sie sind nicht besser geworden oder schlechter, nur einfach anders.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wer traditionelle Szene sucht, der findet im Gothic Rock oder im EBM Zuflucht. Wer Urspr\u00fcnglichkeit in der Kleidung sucht, findet sie auf den Darkwave-Dancefloors der Klubs. Das St\u00fcck selbst zitiert und findet vielfache Anlehnungen in \u00abklassischen\u00bb Stilen wie Post Punk, Synth Wave oder Minimal \u2013 oder auch Referenzen zum gleichnamigen St\u00fcck von <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Ideal_(Band)\">IDEAL<\/a> (\u2018Eiszeit\u2019, 1981) oder zu \u2018Eisb\u00e4r\u2019 (1980) von <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Grauzone_(Band)\">Grauzone<\/a>.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">W\u00e4hrend die Vocals eine betont d\u00fcstere Atmosph\u00e4re schaffen, m\u00e4andert der Sound zwischen Rave, Post Punk, Hard Dance und Minimal Synth. Das Tempo ist treibend, eine grundlegende Gegens\u00e4tzlichkeit zwischen Gesang und instrumentalem Part erzeugt eine weitere Spiegelung auf inhaltlicher Ebene. Der Song fordert auf, Bekanntes neu zu denken, schon nur durch all die Referenzen.<\/p>\n<h3 style=\"font-weight: 400;\"><strong>\u00abBesser wird es nicht\u00bb<\/strong><\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u2018Eiszeit\u2019 besch\u00e4ftigt sich mit einer Debatte, die wohl immer aktuell bleiben wird \u2013 eine vergangene \u00c4ra als Idealzustand wahrzunehmen, das ist vermutlich ein menschlicher Charakterzug, der uns allen innewohnt. Ver\u00e4nderungen aber nicht nur abzulehnen, sondern Vergangenes auch einmal ruhen zu lassen, dazu fordert \u2018Eiszeit\u2019 uns auf: Die Erinnerungen, die uns alle in Momenten der Unruhe tragen und retten, sollen bewahrt werden: \u00abWillst du mit mir nostalgisch sein?\u00bb<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Diese Momente der Vergangenheit sollen aber verstanden werden als gemeinsame Erinnerung, als ein kollektives Gedenken. In den beiden Versen \u00abSchau nicht nach vorn\/Schau nicht zur\u00fcck\u00bb kumuliert sich ein weiterer Gedanke: Carpe Diem (oder nach gotischer Tradition nat\u00fcrlich: Carpe Noctem): Das Jetzt ist es, was z\u00e4hlt. Oder vielleicht sollten wir es auch in den Worten j\u00fcngerer Generationen ausdr\u00fccken: <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/YOLO\">YOLO<\/a>?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das St\u00fcck zitiert, denkt neu, weckt Nostalgie und Erwartungen: Es ist schlicht ein erneuter Geniestreich der Musiker:innen Julia de Jouy und Oliver Maier: Die Meisterschaft der Band zeigt sich in den subtilen Reminiszenzen, die dennoch den von so vielen H\u00f6rer:innen geliebten Klangwelten von Rue Oberkampf treu bleiben.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">&nbsp;<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Rue Oberkampf begleiten den Pre-Sale von \u00abThe Singles 2018-2026\u00bb mit der ersten von zwei angek\u00fcndigten neuen Singles. Diese erste Single tr\u00e4gt den Titel \u2018Eiszeit\u2019. F\u00fcr das angek\u00fcndigte Album verantwortlich zeichnen sich Julia de Jouy und Oliver Maier. 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